Wirtschaft

235 Jerseys in der ersten Generation

Jakob Thomsen kommt ursprünglich aus der Stadt. Jetzt bewirtschaftet er einen Milchkuhbetrieb. Dabei sind ihm hohe Arbeitseffizienz und genaue Kostenplanungen wichtig.
Sie passen perfekt zusammen - Jakob, seine Frau und die Jerseys. Im Jahr 2010...

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Jakob Thomsen kommt ursprünglich aus der Stadt. Jetzt bewirtschaftet er einen Milchkuhbetrieb. Dabei sind ihm hohe Arbeitseffizienz und genaue Kostenplanungen wichtig.

Sie passen perfekt zusammen – Jakob, seine Frau und die Jerseys. Im Jahr 2010 hat Jakob Thomsen die verschuldete Farm übernommen. Die gesamten Stallungen waren auf Jerseys ausgerichtet und das sollte auch so bleiben. Dennoch hat Jakob Thomsen vieles neu- und umgebaut. Nach einem Brand vor 1,5 Jahren musste z. B. auch das Melkhaus komplett neu gebaut werden. Derzeit liegt die Milchleistung bei 26,5 kg Milch je Kuh und Tag. Dazu kommen die hohen Inhaltsstoffe der Jerseys, die bei dänischen Molkereien besonders honoriert werden. Durch den Aufschlag für hohe Inhaltsstoffe liegt der Milchauszahlungspreis bei rund 42 Cent. Zudem benötigen die kleinen Kühe weniger Futter. Also warum nicht bei Jerseys bleiben?

Betriebsleiter Jakob Thomsen und seine Frau Nataliia. Bild: Hilbk-Kortenbruck

Füttern ist Chefsache! 

Viel Kuhkomfort und klare Arbeitsstrukturen sind wichtig, um alle Kühe mit nur zwei Personen gut zu managen. Die Fütterung übernimmt Jakob Thomsen selbst, denn die ist ihm besonders wichtig. Alle laktierenden Kühe bekommen dieselbe Ration. Die Frischmelker bekommen einmal am Tag etwas Heu, ansonsten „spielt Struktur keine Rolle“, erklärt Jakob und deutet damit auf die gute Stoffwechselstabilität der Jerseys hin. Eine gute Trockensteherfütterung ist wichtiger, weil Jerseys sehr anfällig für Milchfieber sind. Die Ration besteht zu rund 60 % aus Mais und 40 % aus Gras. Zusätzliche Trockenschnitzel werden zuvor eine Stunde im Mischwagen aufgeweicht. Der Futtermischwagen geht einmal im Jahr zur Inspektion und wird alle drei Wochen gereinigt. Auch regelmäßige Grundfutteranalysen gehören zum Standardprogramm. Die Futteraufnahme liegt bei rund 14 kg TM je Tier und Tag.

  • 235 Kühe
  • 26,5 kg Milch je Kuh und Tag
  • 135 ha, davon 15 ha Dauergrünland
  • Betriebsleiter und 1 Angestellter

Ein sehr offener Stall und saubere Sand-Liegeboxen bieten den kleinen Kühen viel Komfort. Seit die Kühe auf Sand liegen, werden sie deutlich älter. „Ich habe viele Kühe mit acht bis zehn Kälbern. Mein Ziel ist eine durchschnittliche Lebensleistung von 45.000 kg“, sagt Jakob ehrgeizig. Die Herde wird zweimal täglich in einem Side-by-Side-Melkstand gemolken (03.30 Uhr und 15.30 Uhr). Nach einem Brand wurde das Melkhaus von 1,5 Jahren komplett neu erbaut und ist nicht mehr direkt im Stallgebäude. Dadurch herrscht im Stall selbst noch mehr Ruhe. Und das ist Jakob sehr wichtig.

Besonders wichtig ist die Ruhe zwischen den Melkzeiten. Wenn die letzte Kuh den Melkstand verlässt, muss Ruhe sein im Stall!

Jakob Thomsen 

Die Jerseys kalben im Durchschnitt mit 23,5 Monaten zum ersten Mal ab. Die Aufzucht ist teuer, darum muss sie kurz und intensiv sein. Jakob Thomsen setzt zu 60 % gesextes Sperma ein. Bullenkälber werden mit gut drei Wochen „verkauft“ und sind fast nichts wert. Bei Kühen ab dem vierten Kalb setzt er zu 40 % auch Fleischrasse-Sperma ein. Kreuzungskälber kann er besser verkaufen und für die eigene Remontierung benötigt er ohnehin nicht viel Nachzucht. Weibliche Kreuzungskälber behält Jakob teilweise selbst zur Mast.

Mut, Planung und Kontrolle … 

Jakob Thomsen kommt ursprünglich aus der Stadt. Sein jetziger Betrieb war hoch verschuldet, sodass er ihn mithilfe von Kreditunternehmen übernehmen konnte. Da sehr viel Fremdkapital an diese Betriebsübernahme geknüpft ist, arbeitet Jakob sehr eng mit der Bank zusammen. Viermal im Jahr kontrolliert die Bank das Budget. Zudem sind die Fütterungsqualität und die Futterkosten wichtige wirtschaftliche Faktoren.

Um langfristig planen zu können, sind Futterkontrakte ein Muss. Dafür ist aber auch viel Lagerkapazität notwendig, weshalb Jakob Thomsen eine große Halle für Futtermittel gebaut hat. Bei neuen Futterkontrakten lässt er sich immer von drei Lieferanten Angebote machen, um letztlich einen möglichst guten (niedrigen) Preis zu verhandeln. Er vergleicht die Preise lieber selbst, statt direkt auf Angebote der Händler einzugehen. Eine zusätzliche, intensive Fütterungsberatung mit Betriebsbesuchen kostet ihn jährlich rund 2.700 Euro.

Wenn der Händler mir etwas anbietet, stimmt etwas nicht. Ich vergleiche die Angebote lieber selbst.“

Jakob Thomsen 

Besonders die Milchpreisschwankungen machen einem Betrieb wie dem von Jakob Thomsen zu schaffen: „Es ist unmöglich, finanziell mit diesen Preisschwankungen umzugehen. Aber wir versuchen, jeden Tag ein kleines bisschen besser zu werden“. Für die Zukunft wünscht sich die Familie mehr Sicherheit für mehr innere Zufriedenheit. Dafür möchte Jakob Thomsen jeden Tag gute Arbeit leisten und sich weiter verbessern. Er könnte sich auch vorstellen, die Herde auf 320 Kühe aufzustocken. Dafür bräuchte er aber mehr Land. Außerdem möchte er gerne in eine Bewässerungsanlage investieren. Aber er gibt schmunzelt zu: „Meine Frau ist da etwas anderer Meinung, sie würde gerne zuerst in ein neues Haus investieren.“ Außerdem möchte er mehr Kälber verkaufen, weil er selbst nicht viel Nachzucht benötigt. Er sieht einen wachsenden Markt für weibliche Jerseys und hofft deshalb auch auf steigende Preise.

Katrin Hilbk-Kortenbruck