Reportage

3.700 Kühe im Staatsdienst

Der Betrieb Kietrz ist einer der 40 polnischen Kombinate und wird in Treuhand verwaltet. Das Prinzip: Der Staat gibt das Betriebsziel vor, der Gewinn muss jedoch selbst erwirtschaftet werden.
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Der Betrieb Kietrz ist einer der 40 polnischen Kombinate und wird in Treuhand verwaltet. Das Prinzip: Der Staat gibt das Betriebsziel vor, der Gewinn muss jedoch selbst erwirtschaftet werden.

Zum staatlichen Betrieb Kiertz gehören knapp 3.700 Kühe und über 9.200 Hektar Land. Die Kühe haben eine Herdenleistung von 10.200 kg Milch im Jahr. Sie sind auf drei Standorte rund um die Kleinstadt Kietrz aufgeteilt. Alle drei Standorte haben jeweils eine ähnliche Gebäudestruktur:

  • zwei moderne Laufställe für Färsen, Trockensteher und laktierende Kühe mit insgesamt 1.300 Tieren
  • ein in der Mitte liegendes Melkzentrum mit 60er-Außenmelker-Karussell
  • ein separater Kälberbereich

Einen Standort des Kombinats sehen wir uns genauer an. Der moderne Laufstall auf dem Betrieb am Standort Langowo ist seit 2016 in Betrieb und damit der jüngste der Standorte. „Beim ersten Stall haben wir noch gelernt, beim zweiten Stall 2011 haben wir schon einiges besser gemacht“, erklärt Betriebsleiter Mariusz Sikora. „Bei diesem Standort haben wir die Erfahrungen aus beiden Ställen mit eingebracht. Dadurch läuft dieser Standort besonders gut.“ 

Die 34 Mitarbeiter kommen überwiegend aus der Umgebung. Die Melker bekommen ein Jahresgehalt von umgerechnet 13.000 €. Die Mitarbeiter sind verschiedenen Bereichen zugeordnet: Kälberversorger, Fütterer, Melker, Stallmitarbeiter. Besamungen dürfen generell alle Mitarbeiter machen, diese werden fortgebildet und pro Besamung zusätzlich bezahlt. Für die Kontrolle und Überwachung der einzelnen Bereiche helfen zwei große Bildschirme, die im Sozialraum angebracht sind. 

Zucht und Ordnung

Die sechsstündigen Melkschichten beginnen um 9 Uhr morgens und um 21 Uhr abends. Die laktierende Gruppe wird in einem 60er-Außenmelker gemolken, für die kranken Kühe gibt es einen eigenen Melkstand im Krankenbereich.

Für alle Abläufe auf dem Betrieb gibt es feste Abläufe und Standards. Nach der Kalbung bleiben die Kälber einen Monat in Einzeliglus und ab dem zweiten Lebensmonat in einer festen Gruppe. Die Kälber werden zweimal täglich gefüttert. Im Winter bekommen sie sogar vier- bis fünfmal täglich Milch, dann kleinere Portionen. Bei den männlichen Kälbern werden zwei bis drei Bullen aufgezogen und an die Besamungsstation verkauft. Etwa 20 weitere Deckbullen gehen an die Landwirte in der Umgebung. Der Rest der Bullenkälber wird in die Mast verkauft oder auf den eigenen Mastplätzen gemästet. Knapp 500 Mastbullen gehen vom  Kombinat jedes Jahr an die Schlachthöfe.

Die Lebensmonate drei bis zwölf verbringen die weiblichen Kälber im Kälberstall. Von dort aus gehen sie mit einem Pedometer ausgestattet in die Färsengruppe, wo sie besamt werden. Die Kühe kalben in Just-in-time-Bereichen. Die Betriebe sind mit den eigenen Färsen aufgebaut worden, erzählt Betriebsleiter Mariusz Sikora. 

Pacht für die 9.200 Hektar Land zahlt der Betrieb übrigens nicht. Auf den Flächen wird vor allem Weizen, Zuckerrüben, Körnermais und Raps angebaut, zudem Silomais, Luzerne und Feldgräser für den Futterbau.

Sophie Oehler