Wirtschaft

Alles automatisch, außer die Vermarktung

Melkroboter, automatische Fütterung und viel Kuhkomfort. Die Kühe von Hans Skovgard danken es mit über 40 kg Milch im Schnitt. Auch die Direktvermarktung ist ein wichtiges Standbein.
Reges Treiben, viel Licht und leise Geräusche der...

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Melkroboter, automatische Fütterung und viel Kuhkomfort. Die Kühe von Hans Skovgard danken es mit über 40 kg Milch im Schnitt. Auch die Direktvermarktung ist ein wichtiges Standbein.

Reges Treiben, viel Licht und leise Geräusche der automatischen Fütterungs- und Melksysteme bestimmen die Atmosphäre im Kuhstall von Hans Skovgard. Die insgesamt 530 Kühe versorgen sich also nahezu selbst. Mit lediglich 3,5 Mitarbeitern bei 530 Kühen zeigt sich, wie hoch die Arbeitseffizienz dank der Automatisierung ist. Klare Strukturen in den Arbeitsabläufen und Zufriedenheit der Mitarbeiter führen ebenso dazu.

Betriebsleiter Hans Skovgard.  Bild: Hilbk-Kortenbruck 

„Wir mögen Automatik“ 

Hans Skovgard ist seit 21 Jahren Betriebsleiter und ist mit 40 Kühen und 14 ha gestartet. Seitdem ist der Betrieb um 300 ha Eigenland und rund 500 Kühe gewachsen. 2008 wurde der erste Stall gebaut, 2017 dann eine Erweiterung. Das Thema Arbeitskräfte ist für Hans Skovgard kein Problem. Die Arbeitsbedingungen sind gut – „Sie kommen von selbst“, sagt der Betriebsleiter.

Es gibt zweimal im Jahr ein Mitarbeitergespräch. Ansonsten können sie immer kommen, wenn sie Probleme haben.

Hans Skovgard

„Wir mögen Automatik“, erklärt Hans Skovgard lächelnd und deutet auf die Lely-Melkroboter und die automatische Fütterung. Durch diese routinierten Abläufe wirkt die gesamte Herde sehr ruhig. Seit 2013 gehören zudem komfortable Sand-Liegeboxen zum Kuhkomfort dazu. Die Herde ist in insgesamt vier Gruppen unterteilt: eine Färsengruppe, eine Gruppe aller Abgangstiere, die er entsprechend anders füttern kann, eine Gruppe mit „Problemkühen“ und eine große Gruppe mit allen weiteren Kühen. Durch diese Gruppeneinteilung konnte er die Milchleistung zuletzt deutlich steigern. Die täglichen Melkungen liegen derzeit bei 3,1. 

Auch die Trockensteher sind in einem modernen Stall mit Sand-Liegeboxen untergebracht. Diese Gruppe hat extrem viel Platz und einen offenen Stall mit viel Frischluft. Auch hochtragende Färsen sind hier untergebracht und erlernen über eine alte Transponderstation das spätere Prinzip des Melkroboters (eine Box zu betreten und dort Kraftfutter zu bekommen). Bisher ist die Aufzucht noch auf einen anderen Betrieb ausgelagert. Zum Tierbestand gehören zudem noch rund 60 Angus-Mutterkühe, über 200 Masttiere, 30 Sauen, 600 Mastschweine und ein Hühnermobil. Die Außenwirtschaft wird komplett von Lohnunternehmen erledigt.

  • 530 Kühe
  • 40,5 kg Milch je Kuh und Tag
  • 375 ha (Feldfrüchte)
  • 3,5 Mitarbeiter (für Milchkühe)

Direktvermarktung – eine Chance? 

Die Direktvermarktung ist ein großer Bereich des Betriebes. Hans Skovgards Frau führt einen Hofladen mit Gastronomie-Bereich, Molkerei und Metzgerei. Viele der dort angebotenen Produkte werden selbst produziert. So werden neben Milchprodukten auch rund 240 Färsen pro Jahr über den Hofladen verkauft. Hier setzt der Betrieb bevorzugt auf Angus und weibliche Kreuzungskälber. Alle männlichen Kälber der Holsteinkühe werden mit vier bis fünf Wochen verkauft. Für die Fleischverarbeitung im Hofladen sind diese zu spätreif. Weibliche Kreuzungskälber dagegen werden über den Hofladen vermarktet, ebenso wie die Nachkommen der Angus-Herde.

Für den Betrieb Skovgard ist dieser Vermarktungsweg enorm groß und wichtig geworden. Durch die Verarbeitungs- und Vermarktungsaufgaben auf der einen Seite und die Automatisierung im Stall auf der anderen Seite, nimmt der Hofladen mittlerweile mehr Arbeit in Anspruch als die Tier- bzw. Milchproduktion.

Mittlerweile nimmt die Vermarktung über den Hofladen mehr Arbeitszeit in Anspruch als die Produktion.

Hans Skovgard

In Zukunft möchte er einen neuen Stall für die Aufzucht- und die Masttiere bauen. Damit wäre kein Bereich mehr ausgelagert, sondern alles zentral am Hauptstandort zusammen. Investiert er möglicherweise auch hier in automatisierte Technik und kann alles von einem Standort aus koordinieren, kann er die Arbeitseffektivität noch weiter steigern.

Katrin Hilbk-Kortenbruck