Mensch

Das Organisationstalent

Und es geht doch! Petra Lüttmann managt Familie und eine Hochleistungsherde. Wie das geht? Nur mit durchdachten und strukturierten Produktionsabläufen. Betriebsleiterinnen müssen oft wahre Organisationstalente sein.

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Und es geht doch! Petra Lüttmann managt Familie und eine Hochleistungsherde. Wie das geht? Nur mit durchdachten und strukturierten Produktionsabläufen.

Betriebsleiterinnen müssen oft wahre Organisationstalente sein. Da gilt es nicht nur das Herdenmanagement und die Kennzahlen im Griff zu behalten, auch Kinder und Familie müssen versorgt werden. Und wenn es gut läuft, sollte noch ein bisschen Zeit für sich selbst und Hobbys übrig bleiben.

Wir haben Petra Lüttmann (31 Jahre) von der Lingemann GbR in Löningen (Niedersachsen) besucht. Sie bekommt Traumberuf und Kinder unter einen Hut und erreicht dabei noch Spitzenleistungen. Die junge Mutter bewirtschaftet zusammen mit ihrem Vater, einem Auszubildenden und drei Minijobbern einen Betrieb mit 180 Kühen, weiblicher Aufzucht, 1.500 Mastschweinen und 89 ha Nutzfläche. Petra Lüttmann ist für die Milchkuhhaltung verantwortlich und mit einer Jahresleistung von 12.338kg (!) sehr erfolgreich. Ihr Mann Bernd geht Vollzeit arbeiten und unterstützt seine Frau so viel er kann. 

Vor einem Jahr ist Petra Lüttmann das erste Mal Mutter geworden. Bruno begleitet sie oft in den Stall.

Automatisierung bringt viel Flexibilität

Wie schafft die junge Milchkkuhhalterin den Spagat zwischen Betrieb und Familie? „Die Melkroboter geben mir ein großes Stück Flexibilität. Das war für mich bereits 2012 ein wichtiger Grund, in drei Lely-Roboter zu investieren.“ Daneben sprachen für die Roboter auch, dass sie ihr viel körperliche Arbeit abnehmen und den Bedarf an Mitarbeitern etwas reduzieren. Gleichzeitig investierte sie in einen automatischen Futterranschieber. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Kühe immer, zu jeder Zeit ausreichend Futter vorfinden. Der Futterranschieber ermöglicht das, ohne dass ich selbst spätabends oder frühmorgens in den Stall muss.“

In Sachen Automatisierung ist für Petra Lüttmann und ihren Mann aber noch mehr drin. Der nächste Schritt: eine automatische Fütterung. „Wir warten im Moment auf die Baugenehmigung für eine Futterhalle. Im nächsten Jahr soll dann der Roboter die Kühe füttern.“ Neben einer Zeitersparnis für sich und ihren Mann, dass der Roboter die Kühe noch stärker zum Fressen animiert.

Konsequent und strukturiert

Neben der Automatisierung ist für die junge Betriebsleiterin strukturiertes Arbeiten das A und O. „Strukturierte Arbeitsabläufe waren mir immer schon vertraut.“ Bevor Petra Lüttmann sich entschied Landwirtin zu werden, absolvierte sie eine Ausbildung zur Biologisch-technischen Assistentin. So wie dort im Labor üblich, führte sie sowohl für ihre täglichen Arbeiten, als auch für die gesamte Woche feste Abläufe ein. Zu den wöchentlich festen Terminen gehört z.B. das Einstreuen der Kälberbereiche immer montags, mittwochs und freitags. „Natürlich ist es wichtig, diese Abläufe konsequent durchzuhalten. Nur dann ist die Arbeit zu schaffen und es bleibt Zeit für die Familie.“ 

Ohne Familie geht es nicht

Nicht zuletzt sei es aber der Rückhalt und die Hilfe durch ihre eigene Familie und die ihres Mannes, die es ihr ermöglichen, Beruf und Kind zu vereinbaren. „Bruno wird zu festgelegten Zeiten von seinen Großeltern betreut. Das ermöglicht mir wichtige Termine wie Trächtigkeitsuntersuchungen durch den Tierarzt konsequent einzuplanen.“

Dienstags ist ihr Sohn den ganzen Tag betreut. Diesen Tag hält sie sich für aufwendigere Arbeiten frei. So stellt sie beispielsweise jeden zweiten Dienstag die Klauenbäder an den Melkrobotern auf. „Aber natürlich geht Bruno auch mit in den Stall. Mein Trick ist, sein Lieblingsspielzeug immer im Stall zu haben“, sagt Petra Lüttmann und lacht. Und der Mittagsschlaf sei eine hervorragende Zeit für Büro- und Stallarbeiten.

Trotz der gut durchdachten Arbeitsstruktur weiß Petra Lüttmann natürlich, dass sie das Arbeitspensum nur dann schaffen kann, wenn ihr Sohn regelmäßig betreut wird. „Jetzt kann ich ihn auch noch mal gut im Tragetuch mitnehmen, wenn eine Betreuung ausfällt. Sobald er demnächst läuft, wird es jedoch viel schwieriger. Wir sind deshalb auf der Suche nach einem Kindergartenplatz.“

Auch mal ungewöhnliche Wege einschlagen

All ihre Arbeit kann Petra Lüttmann aber nur dann bewältigen, wenn zuverlässige Mitarbeiter sie unterstützen. Neben einer Haushälterin, die morgens Petra Lüttmann hilft, hat sie Auszubildende eingestellt. 

Durch die immer gleichen, strukturierten Arbeitsabläufe ist es ihr aber auch möglich, ungelernte Mitarbeiter einzustellen. Seit Herbst vergangenen Jahres arbeiten deshalb drei  450€-Kräfte bei ihr, die schon morgens gegen 03.00 Uhr, nach einer Spätschicht in einem anderen Unternehmen, bei ihr im Stall mit der Arbeit beginnen. Sie treiben die überfälligen Kühe in den Melkroboter und pflegen die Boxen. „Ich kann ihn alles nötige beibringen“, erklärt Petra Lüttmann, „obwohl oder vor allem weil sie keine eigenen Erfahrungen mit Kühen mitbringen. Deshalb führen sie die Arbeiten genau nach meinen Vorstellungen aus. Ich habe ihnen z.B. gezeigt, dass man Kühe mit den Händen in der Hosentasche treiben kann.“ Die 450€-Kräfte teilen sich abwechselnd bei ihr die Frühschicht. So kann sie morgens sofort mit den wirklich wichtigen Arbeiten starten. Die Minijobber wird sie in jedem Fall behalten, um auch langfristig die Arbeitsbelastung bewältigen zu können.

Top Management – Top Leistungen

Mit einer Milchleistung von 12.338kg im vergangenen Jahr und einer Lebenstagsleistung von 20,8kg zeigt Petra Lüttmann eindrucksvoll, dass ihr Herdenmanagement Früchte trägt. Ihr Erfolgsfaktoren? Das Einzeltier steht im Vordergrund. Fällt eine Kuh beim Melken z.B. durch zu niedrige Leistungen auf, schaut sie sich die Kuh genau an. Welche Temperatur hat diese Kuh? Wie ist der Pansen gefüllt? Wie hört sich Herz und Lunge an? Die Betriebsleiterin geht Problemen gewissenhaft auf den Grund, um die Ursache für gesundheitliche Probleme zu finden. „Ich ärgere mich auch über jede Kuh, die nicht tragend wird. Und gebe keine so schnell auf!“, betont die junge Frau mit fester Stimme.

Neben der Betreuung ist für Petra Lüttmann die Fütterung entscheidend für die erreichten Leistungen. „Wir wollen keinen Firlefanz in der Ration.“ Sie besteht deshalb aus Mais- und Grassilage, einer Soja/Rapsmischung sowie Kraft- und Mineralfutter. „Wegen der schlechten Maisqualität setzen wir dieses Jahr ausnahmsweise auch Fett in der Ration ein.“

Die Ration wird als Kompakt-TMR angeboten und hat bei den melkenden Kühen einen Trockenmasse-Gehalt von 35 %. „Seitdem wir die Kompakt-TMR füttern, können die Kühe die Ration nicht mehr selektieren“, erklärt sie. Auch bei der Fütterung setzt die junge Milchkuhhalterin auf strikte Kontrolle. So misst sie regelmäßig den Trockenmasse-Gehalt der Ration und kontrolliert, ob die errechnete und tatsächlich gefütterte Ration übereinstimmen. „Wichtiger als die Ration auf dem Papier ist mir allerdings die Reaktion der Tiere. Dazu gehört nicht nur die Leistung, sondern auch, wie sich die Kondition der Kühe entwickelt.“

Petra Lüttmann ist mit ihrem Management auf dem richtigen Weg. „Deshalb haben wir uns auch entschieden, neben der automatischen Fütterung in einen weiteren Melkroboter und eine Herdenaufstockung zu investieren.“ Dieser Roboter soll Ende diesen Jahres dann seine Arbeit aufnehmen.

Birte Ostermann-Palz
bop@elite-magazin.de