Praxis

Den Futtertisch sanieren (lassen)

Niemand möchte von Tellern essen, auf denen noch die Essensreste vom Vortag kleben. Das gilt auch für unsere Kühe. So mancher Futtertisch braucht dann auch eine sachgerechte Sanierung. Das schafft meist nur der Fachmann.
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Niemand möchte von Tellern essen, auf denen noch die Essensreste vom Vortag kleben. Das gilt auch für unsere Kühe. So mancher Futtertisch braucht dann auch eine sachgerechte Sanierung. Das schafft meist nur der Fachmann.

Schauen Sie sich einmal den Futtertisch in Ihrem Milchkuhstall genau an. Streichen Sie mit der flachen Hand über die Fläche, auf die Sie mindestens einmal am Tag das Futter für Ihre Kühe ablegen. Bemerken Sie dabei Löcher oder Unebenheiten auf der Betonschicht? Eine raue Oberfläche? Fühlen Sie anschließend einen Belag auf den Händen, der unangenehm riecht? Dann wird es höchste Zeit, den Futtertisch zu renovieren!

Ob ein Futtertisch abgenutzt ist, können Sie mit den eigenen Händen kontrollieren. Foto: Riswick

Denn: Nach einigen Jahren in Gebrauch ist die Oberfläche eines Futtertischs aus Beton stark abgenutzt. Dort wird die Oberfläche rau und löchrig. In den Poren können sich Futterreste festsetzen, die schwierig zu entfernen sind. Dort bildet sich ein Belag aus Futterresten und Speichel. Dieses lässt die Keimbelastung im Futter explodieren! Das führt dazu, dass ihre Kühe weniger fressen.

Silage frisst Löcher in den Beton

Die poröse Oberfläche entsteht hauptsächlich durch die Säuren in Futtermitteln, vor allem in Silagen. Diese Futtersäuren lösen die Kalkbestandteile im Beton auf. Die mechanischen Bewegungen auf der Oberfläche durch Geräte wie Mischwagen und Anschieber sowie die Zungen der Kühe, die über den Futtertisch schlecken, tragen die gelösten Kalkbestandteile dann ab. So entstehen Löcher und Unebenheiten.

Ein abgenutzter Futtertisch hat Löcher und große Poren. Foto: Stöcker-Gamigliano

Kontrollieren, informieren und planen

Ziel der Futtertischsanierung ist es, eine glatte und saubere Futterfläche herzustellen. Diese lässt sich besser reinigen und verhindert, dass sich ein Belag auf dem Futtertisch bildet. Die Kühe fressen dann sauberes Futter ohne Futterreste oder Bakterien. Zudem passen glatte Oberflächen besser mit dem Fressverhalten von Kühen zusammen: Die Verletzungsgefahr beim Schlecken über den Boden ist kleiner, wenn die Oberfläche glatt ist.

Bevor Sie mit der Sanierung des Futtertischs beginnen, sollten Sie folgende Fragen klären:

  • Soll der gesamte Futtertisch saniert werden?
  • Kann ich die Kühe während der Sanierung zum Fressen ausquartieren (z. B. auf die Weide) oder kommt für mich nur eine abschnittsweise Sanierung infrage?
  • Welches Material passt zu meinem Betrieb bzw. welche Option ist für meinen Betrieb am besten?
  • Wer kann mich beraten bzw. kennt sich mit der Futtertischsanierung aus?
  • Gibt es Betriebe in der Nähe, die ihren Futtertisch in letzter Zeit saniert haben? Kann ich den Betrieb besuchen und den Futtertisch in der Praxis besichtigen?
  • Welche Kosten kommen auf mich zu?

Grundsätzlich gibt es für die Oberfläche des Futtertischs verschiedene Möglichkeiten.

Kostengünstig und langlebig: Fliesen  und Klinker

Diese sind durchaus geeignet für den Futtertisch. Allerdings kann der hohe Anteil an Fugen zu Problemen mit der Futterhygiene führen, wenn sich dort Futterreste und Speichel festsetzen. Auf der anderen Seite gelten Fliesen von guter Qualität als sehr langlebig. Bei guten Fliesen kann die Lebensdauer bei über 40 Jahren liegen.

Zur Sanierung mit Fliesen und Klinker sollten Sie die Oberfläche zunächst gut vorbereiten. Dazu gehört, diese zu säubern und Unebenheiten auszufüllen. Achtung: Die Trocknungszeit dieses Bodenfüllmaterials kann zwischen mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen variieren.  Wenn Sie mit Fliesenkleber arbeiten, müssen Sie zudem mindestens 24 Stunden für die Aushärtung einplanen. 

Beim Verlegen kommt es darauf an, dass zwischen den Fliesen möglichst eben verfugt wird, damit sich dort keine Futterreste ablagern. Häufig reicht Material von zweiter Wahl aus. Dadurch können die Kosten sinken. Achten Sie bei den Fliesen jedoch auf Abriebfestigkeit (Abriebklasse 5) und die Stabilität der glatten Oberfläche. Die Fliesen sollten außerdem frostbeständig sein. Eine Anleitung, wie Sie selber Fliesen verlegen, finden Sie hier.

Tipp: Fräsen Sie entsprechend der Fliesenhöhe den Beton vor der Verlegung ab. So stört der Übergang beim Füttern und Nachschieben nicht.


Bewertung: Kostengünstig, lange Nutzungsdauer, mehrtägiger und sorgfältiger Einbau

Edelstahl: Teurer aber schneller Einbau

Futtertische aus Edelstahl haben eine besonders glatte Oberfläche. Das kommt Kühen entgegen, die über den Futtertisch schlecken können, ohne sich zu verletzen.

Der Vorteil von Edelstahlplatten: Das Verlegen geht relativ schnell. Damit müssen Sie die Kühe während der Sanierungsarbeiten nicht aufwendig an einem anderen Ort im Stall füttern, da eine komplette Sanierung innerhalb weniger Stunden möglich ist. Außerdem ein Plus: Edelstahlhändler gibt es fast in jedem Ort. Die Preise von Edelstahl liegen zwar höher als bei den anderen Varianten. Jedoch haben sie noch einen Restwert, wenn Sie sie nicht mehr benötigen.

Sie können die Edelstahlplatten bei einem nahegelegenen Händler in Normgröße (125 x 250 cm) bestellen. Die Stahlplatten werden auf den gereinigten und ebenen Betonboden aufgelegt. Die einzelnen Platten werden miteinander verschweißt. Sie können alternativ auch mit Epoxidharz verfugt werden, dann kommt noch eine Wartezeit von einem Tag für das Trocknen hinzu.

Die Edelstahlplatten können entweder auf den sauberen ebenen Beton verlegt werden oder in eine eingefräste tiefere Ebene. Der Unterschied zeigt sich beim Anschieben. Bei aufgelegten Platten müssen Sie darauf achten, dass keine Anschlusskanten entstehen. Sie können auch bereits vorgekantete Platten verlegen. Die Kante sollte zwischen 1,5 und 3 cm hoch sein. Schneiden Sie mit einer Fräse eine Fuge mit derselben Tiefe in den Boden. Auch so erhalten Sie einen ebenen Übergang zum Fahrbereich. Besonders in Höhenlagen, in denen im Winter mit Schneeketten gearbeitet wird, eignet sich Edelstahl für den Futtertisch.

Der wichtigste Tipp für das Verlegen: Achten Sie auf einen ebenen Untergrund. Sonst entstehen Beulen, die sich nicht wie beim Kotflügel am Auto schnell aushämmern lassen.


Bewertung: Teuer, schneller Einbau, lange Lebensdauer

Trogschalen aus Polymerbeton: Solide

Trogschalen aus diesem Material sind häufig L-förmig und in verschiedenen Größen verfügbar. Diese Schalen haben den Vorteil, dass sich aufgrund ihrer runden L-Form kaum Futterreste festsetzen können.

Polymerbeton ist im Vergleich zu herkömmlichem Beton leichter. Das erleichtert Transport und Einbau. Zudem haben Trogschalen aus diesem Material eine sehr glatte und porenarme Oberfläche. Diese ist wasserdicht und widerstandsfähig gegenüber Chemikalien. Futtersäuren haben es dadurch schwerer, die Oberfläche anzugreifen. Auch gegenüber Temperaturschwankungen, Feuer und Frost soll die Oberfläche widerstandsfähig sein.

Der Einbau erfolgt auf den noch nassen Beton bzw. Mörtel. Die Fugen müssen sorgfältig verputzt werden, damit dort keine Futterreste in die Ritzen eindringen. Sie müssen mindestens fünf Tage aushärten, bis sie einsatzbereit sind. Erst nach etwa 28 Tagen ist der Beton voll ausgehärtet. Das gilt jedoch nur für Plusgrade von über 12 °C. Bei niedrigen Temperaturen braucht Beton noch länger, um richtig auszuhärten.

Trogschalen aus Polymerbeton gibt es von verschiedenen Händlern, u .a. von ACO Funki, Arno Hahn, Betonwerk Schwarz, Bouwimpex, Bros BetonDela, Frankenstall, Wölfleder.  Die Kosten liegen höher als bei Futtertischen mit Fliesen und Klinkern.

Tipp: Nach dem Einsetzen der Trogschalen auf den Beton mit einem Gummihammer Luftlöcher aufspüren und beseitigen.


Bewertung: Relativ teuer, mehrtägige Wartezeit, lange Lebensdauer

Beton mit Schutzschicht: Viel Sorgfalt notwendig

Bodenversiegler werden auf Beton aufgebracht. Schutzschichten auf Beton bilden eine sehr glatte Oberfläche, halten mechanischen Bedingungen aber nur bedingt stand. Optionen für eine Schutzschicht sind z. B. Epoxidharz, Polyurethan oder Schichten auf Silikatbasis.

Frischer Beton muss mindestens 28 Tage ausgehärtet sein, damit die Beschichtung richtig anhaftet. Daher eignet sich diese Art besonders in Neubauten, bevor die Kühe einziehen. Eine Sanierung im laufenden Betrieb gestaltet sich schwierig.

Eine sorgfältige Vorbereitung des Betons ist vor dem Ausbringen der Schutzschicht extrem wichtig. Die Oberfläche muss sauber, trocken und eben sein, damit der Schutz anhaftet. Dafür müssen Sie bei Unebenheiten zunächst die Oberfläche abschleifen, damit sie plan ist. Anschließend müssen die Fett- und Eiweißreste aus den Poren entfernt werden, das geht z. B. mit Phosphorsäure. Dann muss die Fläche mit Wasser abgespült werden und trocknen. Erst dann können Sie die flüssige Schutzschicht auftragen. Bei einigen Systemen sind Grundierung und Schutzschicht miteinander kombiniert. Andere Produkte müssen Sie zwei- und mehrfach auftragen. Auch bei dieser Variante fallen Wartezeiten von mehreren Tagen an, bis der Boden richtig ausgehärtet ist. So ist z. B. Epoxidharz erst nach etwa 7 Tagen säurefest.

Flüssige Beschichtungen für Ihren Futtertisch bieten u. A. die Firmen Böck, Desical, Remmers an. Weitere Informationen zur Futtertischsanierung mit Beschichtungen gibt es u. A. bei der Landwirtschaftskammer NRW, vom Hofgut Neumühle in Rheinland-Pfalz und beim Landesbauernverband Baden-Württemberg.


Bewertung: Hohe und intensive sorgfältige Vorbereitung, lange Wartezeit, mittelmäßig widerstandsfähig

Fazit: Betriebliche Prioritäten setzen!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Futtertisch zu sanieren, jedoch keine Wunderwaffe. Jede Option hat Vor- und Nachteile. Bei einer Entscheidung, wie der Futtertisch in Zukunft aussehen soll, kommt es deswegen darauf an, was Ihnen am wichtigsten ist. Soll der Futtertisch möglichst lange intakt bleiben? Oder soll der Futtertisch so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden? Reicht mein handwerkliches Geschick aus, um die Sanierung sorgfältig genug selbst durchzuführen? Wählen Sie die Option, die zu Ihrem Betrieb am besten passt.

Für alle Verfahren gilt: Die Qualität beim Einbau entscheidet über die Lebensdauer. Wenn Sie nicht sorgfältig und fachgerecht arbeiten, ist ein schneller Verschleiß vorprogrammiert. Wenn Sie sich unsicher sind, lassen Sie lieber eine Firma kommen und die Sanierungsarbeit von einem Fachmann durchführen.

 

Sophie Oehler
so@elite-magazin.de