Praxis

Der ideale Transitstall

Praktiker und Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, wie Kühe in der Transitperiode gehalten werden sollten. Dabei herausgekommen ist ein neues Stallkonzept.
Im Zeitraum zwischen Trockenstellen, Abkalbung und Laktationsbeginn...

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Praktiker und Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, wie Kühe in der Transitperiode gehalten werden sollten. Dabei herausgekommen ist ein neues Stallkonzept.

Im Zeitraum zwischen Trockenstellen, Abkalbung und Laktationsbeginn (Transitkühe) hat die Kuh besondere Bedürfnisse (Special Needs). Die fachgerechte Unterbringung von hochtragenden, frisch gekalbten und kranken Kühen ist deshalb neben der Fütterung und Tiergesundheit von zentraler Bedeutung.

Im Transitmanagement wurde in den letzten Jahren viel geforscht, doch nur wenig davon ist in der Praxis angekommen. Die internationalen Ergebnisse sind oft komplex und nicht immer einfach auf das deutsche System anwendbar. Gibt es Probleme in dieser Phase, wird die Fütterung nachgerechnet und tierärztliche Behandlungsstrategien entwickelt. Weniger oft fällt auf, dass die Haltungsbedingungen suboptimal sind und sich negativ auf die Tierleistung und –gesundheit auswirken.

Platzbedarf einfach berechnen

Wer die Haltungsbedingungen im Transitbereich überprüfen möchte, sollt erst einmal kalkulieren, wie viele Tiere in welchem Stallbereich stehen sollen. Mithilfe eines einfachen Excel-Tools ist es möglich, durch Eingabe der Kuhzahl die kalkulierten Gruppengrößen für Trockensteher und Abkalber zu berechnen. Die so berechneten Werte werden mit dem Faktor 1,3 (biologische Varianz) multipliziert und können zur Überprüfung bestehender Gruppengrößen oder für Neubauten herangezogen werden. Für eine Herde mit 120 Kühen ergibt sich so ein Bedarf von 31 Plätzen im Trockenstehbereich und 16 Plätzen für Tiere, die in den nächsten zwei bis vier Wochen kalben.

Ansicht aus der Excel-Liste: Kalkulationhilfe für die Berechnung von Gruppengrößen im Stall Quelle: Gea, geändert Andreas Pelzer

Trockensteher: Zweireiher oder Tiefstreu

Die Transitperiode beginnt mit dem Trockenstellen der Kühe. Zu diesem Zeitpunkt kommen mehrere Änderungen im Ablauf zusammen: Das Melken endet, die Ration wird umgestellt und die Kühe werden umgestallt. Oberstes Ziel in dieser Phase ist es, den sozialen Stress durch Rangordnungskämpfe, Umstallen und Überbelegung in jedem Fall zu reduzieren. Denn nur so sind weiterhin hohe Futteraufnahmen realisierbar, die sich positiv auf die Tiergesundheit und Folgeleistung auswirken. Sind diese Stallbereiche überbelegt, stresst das die Kühe. Das wirkt sich negativ auf die Tiergesundheit und Leistungsbereitschaft aus.  

Die Zeit des Trockenstehens erfolgt in der Regel im Liegeboxenlaufstall oder auf Tiefstreu. Letzteres bedeutet einen erheblichen Strohbedarf. Für die Anordnung der Liegeboxen empfiehlt sich eine zweireihige Aufstallung. Alle Kühe sollten mit dem Kopf zur Außenwand liegen, damit der Herdenmanager die liegenden Tiere gut sehen kann. Wichtig ist es, dass man Trockensteher regelmäßig beobachtet und mit einer Person alleine stressfrei umstallen kann. Gerade trockenstehende Kühe müssen sich gut bewegen, hinlegen und fressen können.

Empfohlen werden folgende Maße für die hochtragenden Tiere in diesem Bereich:

  • Liegeboxenbreite von über 1,30 m
  • Liegeboxenlänge von mind. 3,0 m
  • Fressplatzbreite über 75 cm

Gruppenwechsel reduzieren

Je nach Fütterungsmanagement werden die Kühe in der Trockenstehphase bis zur Kalbung entweder zwei- oder dreimal umgestallt. Bei einphasiger Fütterung bleibt die Kuhgruppe bis zur Kalbung zusammen. Wöchentlich oder vierzehntägig werden so neue Gruppen mit maximal sechs Tieren zusammengestellt. Werden Trockensteher auf Tiefstreu gehalten, rechnet man einen Platzbedarf von zehn Quadratmetern pro Tier. Tiefstreuställe haben einen erheblichen Strohbedarf. Der Fressbereich ist meist betoniert und die Strohliegefläche beträgt acht Quadratmeter. Der Vorteil der einphasigen Fütterung liegt darin, dass den Tieren der Stress eines weiteren Gruppenwechsels erspart bleibt. In der zweiphasigen Fütterung werden alle trockenstehenden Tiere des Betriebes in zwei Gruppen (Vorbereiter, Close up) zusammengehalten. Alle vierzehn Tage wird die Gesamtgruppe durch eine neue Kleingruppe ergänzt.

Bewegung fördert die Futteraufnahme

In kleinen Herden ist die Gruppe der trockenstehenden Kühe oft überschaubar. Trotzdem sollten gute Haltungsbedingungen auch hier realisiert werden und vor allem Sackgassen vermieden werden.  Zur Förderung der Bewegung der trockengestellten Kühe können zusätzliche Laufwege oder Bewegungsflächen vorgesehen werden. Bewegung hat viele positive Effekte: Sie verbessert die Kondition, steigert die Futteraufnahme und stärkt das Immunsystem. Eine Kuhbürste in diesem Bereich fordert zudem das Wohlbefinden. Auch Trockensteher brauchen viel Wasser, deshalb müssen immer ausreichend Tränken vorhanden sein.

Für die Breite der Laufgänge werden folgende Maße empfohlen:

  • Laufgangbreite am Futtertisch: mindestens 4 m
  • Zwischen den Liegeboxen:  mindestens 3,50 m
  • An den Durchgängen: mindestens 3,60 m.

Wasser fördert die Gesundheit

Unabhängig von der Gruppengröße sollten zwei Tränkeplätze (am besten Trogtränken) zur Verfügung stehen. Ansonsten gilt die Faustregel: Anzahl der Kühe geteilt durch 20 plus 1. Stehen im Trockensteherabteil 31 Kühe, braucht man 2 bis 3 Tränken ((31: 20)+ 1).

Trockensteher- Fress-Liegeboxenstall für 31 Trockensteher. Quelle: Düsser Fachgespräch: Transitstall – gezeichnet Tobias Rueth Gea

Vierergruppen zum Kalben

Zwei bis vier Wochen vor dem Kalben werden Kühe in Kleingruppen zu vier Tieren in Strohbuchten umgestallt. In größeren Betrieben sollte man eigene Färsengruppen (max. 5 Tiere)  bilden oder zusammenstellen, um den Rangordnungsstress für die jungen Kühe gering zu halten. In diesen Kleingruppenbuchten wird auch abgekalbt. Die „just in time“-Abkalbung, also die zeitnahe Umstallung der kalbenden Kuh, ist möglich, sofern sie eine 24-Stunden-Geburtskontrolle sicherstellen können. Damit Kühe sich besser zurückziehen können, wird empfohlen, die Strohabteile eher rechteckig (z. B. 8 x 4 m für drei Kühe) als quadratisch anzulegen. 

Empfohlen werden folgende Maße:

  • Strohflächenanteil pro Tier: 8 bis 12 m2
  • Einzelabkalbung: mindestens 16 m2

Bisher gibt es keine Alternative zu Stroh. Auch Gummi ist aufgrund der fehlenden Trittsicherheit keine Alternative. Kühe sollen so gut eingestreut werden, dass sie im Stroh, nicht auf Stroh abkalben. Ähnlich wie beim Kälber-Nesting-Score sollen die Beine zumindest teilweise mit Stroh bedeckt sein. Nur so ist es möglich, dass Kühe unter hygienischen Bedingungen abkalben. Ein Wasseranschluss in der Nähe der Kalbebuchten erleichtert es dem Landwirt, der frisch abgekalbten Kuh Wasser anzubieten.

Abkalbeställe für 4 bis 6 Kühe auf Stroh. Quelle: Düsser Fachgespräch: Transitstall – gezeichnet Tobias Rueth Gea

Ein Raum zur Erstversorgung von Kuh und Kalb

Der Erstversorgungsraum dient den Routinearbeiten an Kuh und Kalb direkt nach der Kalbung. Die Kuh steht an der Außenwand des Erstversorgungsraumes und fixiert sich selber in einem Fressgitter.  Sie kann dann einfach untersucht und ggfs. behandelt werden. Das Kalb liegt  direkt vor ihr im Innenraum des Erstversorgungsraumes unter einer Rotlichtlampe. Es kann dort gefahrlos und mit wenigen Handgriffen von einem Mitarbeiter mit Kolostrum versorgt werden.

Der Erstversorgungsraum für neugeborene Kälber.  Quelle: Düsser Fachgespräch: Transitstall – gezeichnet Tobias Rueth Gea

Maximal 75 % auslasten!

Hat die Kuh gekalbt, beginnt wenige Stunden später nach dem Abmelken des Kolostrums, die Freshcow-Phase. Die Aufstallung ist nun auch zwei- bis dreireihig möglich. In konventionellen Betrieben wird hier sogar eine Unterbelegung von bis zu 75 % empfohlen.  Vorsicht bei der flexiblen Einteilung der Gruppengröße mithilfe von Spaltengittern. Dabei besteht immer die Gefahr, dass Sackgassen entstehen.

Ist der Betrieb groß genug, sollte eine separate Färsengruppe eingerichtet werden. Für jeden Stallbereich, besonders aber für den der Frischabkalber, ist ein barrierefreier Zutritt für Stallpersonal eine große Hilfe, um im Alltag schnell mal einen Stallbereich zu betreten.

Mehr Infos zum idealen Transitstall finden Sie in unserem gleichnamigen eLearning. Der Kurs ist für Elite- Abonnenten kostenfrei.

Düsser Fachgespräche

In diesem zweijährigen Projekt der LWK-NRW steht das Haltungsmanagement der trockenstehenden Kuh im Fokus. Um für die Kühe mit besonderen Bedürfnissen (Special-Needs-Kühe) praktikable Lösungen zu erarbeiten, haben sich Praktiker (Landwirte, Berater, Tierärzte) mit Experten aus Nordamerika ausgetauscht und ihre Idee vom idealen Transitstall mithilfe von Architekten zeichnen lassen. Auf dem You Tube Kanal von Haus Düsse finden Sie vier 360-Grad-Videos mit Beispielbetrieben, auf denen innovative Lösungen für den Transitbereich zu sehen sind.

Dr. Marion Weerda