Praxis

Die Häckselqualität prüfen lohnt sich immer!

Zur Herstellung einer guten Maissilage gehört unbedingt die Kontrolle von Häckselqualität und Kornaufschluss in der Ernte. Diese drei Tools sind praxistauglich.
Halbierte Maiskörner im Kot und Blätter-Fetzen im Futterrest...

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Zur Herstellung einer guten Maissilage gehört unbedingt die Kontrolle von Häckselqualität und Kornaufschluss in der Ernte. Diese drei Tools sind praxistauglich.

Halbierte Maiskörner im Kot und Blätter-Fetzen im Futterrest der Kühe sind nicht normal. Beides sind zu (!) späte Indizien dafür, dass der Silomais in der Ernte nicht gut durch den Feldhäcksler aufbereitet wurde. Eine sehr teure Maissilage liegt dann in Ihrem Silo – ein mehr oder weniger großer Anteil an Nährstoffen geht ungenutzt in die Gülle und muss in der Ration anderweitig ergänzt werden. Die Kühe können die Nährstoffe aus grob aufbereitetem Material weniger gut aufschließen. Fällt eine schlechte Häckselqualität allerdings erst im Kuhstall auf, lässt sich daran nichts mehr ändern!

Kontrollieren Sie deshalb besser schon in der Ernte, wie gut aufbereitet ihr Mais ins Silo gefahren wird!

Es gibt mehrere Hilfsmittel bzw. Tools, mit denen sich der Aufschluss des frischen Häckselgutes gut beurteilen lässt. In Text und Video stellen wir Ihnen hier die drei wichtigsten Möglichkeiten vor.

Die Ziele der Häckselqualität:

Diese Kriterien gelten sowohl für Kurz- als auch Langschnitt sowie Shredlage!

Kornzerkleinerung: Alle Körner sind aufgerieben, idealerweise sind sie mindestens geviertel oder geachtelt. Es gilt, max. zwei nur halbierte oder ganze Körner pro 1 Liter Material (= 1 Probe).

Restpflanzenaufbereitung: Blätter und Stängelstücke sind möglichst konstant auf gleichmäßige Partikellängen geschnitten. Die Verteilung bleibt stabil. Alle Stängelstücke > 7 mm im Durchmesser sind aufgeschlossen. Also ihre Schale ist aufgerieben und sie sind zerteilt, sodass das Stängelmark freiliegt.

Aussagekräftige Proben nehmen:

Zwar nicht repräsentativ für den Gesamtbestand, aber sehr wichtig ist es, sich sofort zu Häckselbeginn die ersten Schüttungen anzuschauen, um beurteilen zu können, ob die Grundeinstellung passt. 

Über den weiteren Verlauf gilt dann folgendes, um möglichst aussagekräftige, repräsentative Proben zu untersuchen: 

Keine Probe aus dem Erntegut vom Vorgewende, sondern von bestandsbildenem Material (Hauptreihen). Je nach Schlaggröße etwa ab dem 4. und 5. Wagen. Und je nach Schlaggröße mehrere Proben.

Ein, zwei Proben sollten zudem immer bei Sorten- bzw. Schlagwechsel und deutlichen Veränderungen im Reifegrad- bzw. Trockensubstanz (TS)-Gehalt genommen werden.

Eine Probe sollte zudem auf jeden Fall immer nach einer zuvor erfolgten Einstellungskorrektur am Feldhäcksler untersucht werden, um die nötige Veränderung am Häckselgut überprüfen zu können.

Unser Favorit: Der Wassertest, schnell und aussagekräftig

Das wohl aussagekräftigste Hilfsmittel zur Kontrolle von Kornaufschluss und Aufbereitung der Restpflanze, bei gleichzeitig überschaubarem Aufwand (ca. 5 Min. pro Probe), ist der Wassertest.

Hier werden durch ein kräftiges Umrühren des Wassers und den Auftrieb die Restpflanzenteile von den Körnern getrennt. Die Maiskornpartikel sinken auf den Eimerboden, während das Blatt- und Stängelmaterial aufschwimmt und mit einem Sieb abgefischt wird. So erhält man übersichtlich sauber getrenntes Material, das dann auf den Aufbereitungsgrad kontrolliert wird (Ziele siehe oben).

Der Wassertest in der Kurzbeschreibung:

1. Ein paar Hände voll bzw. 1 Liter Häckselgut in einen zu ¾ mit Wasser gefüllten 20 Liter-Eimer geben.

2. Häckselgut mehrmals mit der Hand umrühren.

3. Den Mais aufschwimmen lassen.

4. Das oben schwimmende Pflanzenmaterial mit einem Küchensieb abschöpfen und dann das Wasser vorsichtig abgießen.

5. Am Eimerboden befinden sich die schweren Partikel der Maiskörner. Sie erlauben einen Überblick über den Kornzerkleinerungsgrad.

Der Wassertest im Video – Anleitung: So kontrolliert man Häckselqualität und Kornaufschluss mit dem Wassertest

Litermaß: Schnell und trocken

Am schnellsten (1 Minute pro Probe) geht die Kontrolle mit dem Litermaß – welches hier lediglich für ein vergleichbares Volumen pro Probe sorgt. Denn es gilt im Kornaufschluss: Maximal zwei nicht ausreichend aufgeschlossene Körner pro Liter frischem Häckselgut.

Der Litermaß-Test in der Kurzbeschreibung:

1. Ein Liter frisches Häckselgut von aussagekräftiger Stelle nehmen (z. B. aus zwei bis drei Stellen aus dem
Schüttgut eines Abfahrwagens).

2. Material auf einer einfarbigen, glatten Oberfläche dünn ausstreichen.

3. Optisch nach Kornzerkleinerungsgrad sowie Schnittlänge und Aufbereitung des Pflanzenmaterials kontrollieren.

Häckselkontrolle mit der Schüttelbox – hier lohnt sich der Aufwand bei maislastigen Rationen

Die Kontrolle der Häckselqualität von Silomais mit der Schüttelbox ist nur in besonderen Fällen sinnvoll bzw. praxistauglich. Denn sie ist zeitaufwendig (ca. 10 Minuten pro Probe) und trennt nicht nach Korn und Restpflanzenmaterial, sondern nach Partikelgröße. Zudem haben die wenigsten Milchkuhbetriebe eine eigene Schüttelbox.

Den Aufwand der Schüttelbox-Kontrolle am frischen Häckselgut in der Ernte aufzunehmen, lohnt sich also eher dann, wenn man die Partikelgrößenverteilung überprüfen möchte (Richtwerte siehe unten).

Das ist etwa hilfreich, wenn man Grenzrationen füttert, also sehr maislastige Rationen, und hier ein höherer Anteil an großen Faserpartikeln zur Sicherstellung der Strukturversorgung angestrebt wird.

Aufschluss gibt das Ergebnis aus der Schüttelbox allerdings auch bei der „einfachen“ Anwendung darüber, wie gleichmäßig die Aufbereitung hinsichtlich Partikelgrößenverteilung ist. Über 10% Probenmaterial im obersten Sieb zeigen etwa ein erhöhtes Risiko dafür an, dass die Kühe Silomaispartikel aussortieren und diese verschmäht im Futterrest enden.

Die Schüttelbox-Kontrolle in der Kurzbeschreibung:

1. 200 g (für genaue Auswertung) bzw. ein paar Hände voll (für einfache Orientierung) Häckselgut auf das oberste Sieb geben.

2. Die Box in der Startposition fünfmal schnell vor und zurück schieben („schütteln“).

3. Die Box um eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn drehen und wieder fünfmal „schütteln“;
insgesamt achtmal.

4. Am Ende muss die Box zweimal im Uhrzeigersinn gedreht und insgesamt 40-mal geschüttelt worden sein.

5. Die Probe nach der Partikelgrößenverteilung, der Aufbereitung der Pflanzenteile und Körner bewerten.

6. Ergebnis für Grenzrationen bewerten: Mehr als 10% Material in der Bodenwanne kann das Risiko von Pansenazidosen erhöhen, während über 10% im obersten Sieb bei Kurzschnittsilage das Risiko erhöht, dass die Kühe anfangen zu sortieren.

Richtwerte für die Kontrolle der Häckselqualität mit der Penn State-Schüttelbox

In der folgenden Tabelle finden Sie Richtwerte zur Verteilung der Partikellängen von Maissilage-Proben, die mit der Penn State-Schüttelbox untersucht werden.

Ziel ist es, dass die unterschiedlichen Partikellängen-Fraktionen der Maissilage möglichst konstant verteilt sind. Also, Proben von vergleichbarem Trockensubstanz-Gehalt sollen auch eine vergleichbare Partikellängenverteilung aufweisen – im Sinne der gewünschten Häcksellänge. 

Die Schüttelbox trennt die verschiedenen Partikellängen-Fraktionen auf – hier die Richtwerte für eine gewünschte Verteilung.

Und wenn die Häckselqualität nicht passt? Dann muss sie angepasst werden!

Passt der Kornaufschluss nicht oder ist die Partikelgrößenverteilung zu unterschiedlich, sind Cracker-Spalt und die Drehzahldifferenz die wesentlichen Stellgrößen. Foto: Berkemeier

Stellen Sie Probleme in der Aufbereitung fest, steht die Rücksprache mit dem Häckslerfahrer an, damit er die Einstellung von Korncracker oder die Schnittlänge entsprechend anpassen kann. Es kann allerdings gerade in größeren Lohnunternehmen gewünscht sein, dass die Absprache über den Disponenten abläuft.

Sie haben Angst, dass der von Ihnen beauftragte Lohnunternehmer sich nicht Ihrer Aufbereitungswünsche annehmen wird? Das mag in manchen Fällen begründet sein, Sie haben aber ein starkes Argument, dass auch erfolgreiche Lohnunternehmen völlig mittragen: „Der Kunde ist König“. Sie zahlen für die Dienstleistung, die zudem eine sehr hohe Ausgabe betrifft, also sollten Sie auch mit entscheiden können, wie Ihr Mais gehäckselt wird!

Manche Lohnunternehmer fordern sogar, dass ihre Kunden die Häckselqualität und die Verdichtung in der Ernte prüfen und darüber Rücksprache halten. Denn merkt jemand erst, wenn das Silo zum Füttern wieder geöffnet wird, dass die Qualität nicht seinen Ansprüchen genügt, ist es zu spät und Ärger auf beiden Seiten vorprogrammiert.


Maßnahmen für eine intensiveren Kornaufschluss sind:

  • Den Cracker-Spalt am Häcksler verringern.
  • Die Häcksellänge an den TS-Gehalt anpassen bzw. verkürzen.
  • Die Drehzahldifferenz erhöhen (> 30 %).

Maßnahmen für gleichmäßige Schnittlängen und intensivere Faseraufbereitung sind:

  • Den Cracker-Spalt verringern.
  • Die Häcksellänge an den TS-Gehalt anpassen.
  • Die Messer in der Häckseltrommel ggf. nachschleifen.

Der TS-Gehalt gibt die nötige Häcksellänge und Einstellungen am Cracker vor

Um die optimale Häcksellänge bestimmen zu können, muss der Trockensubstanzgehalt bekannt sein. Viele Feldhäcksler sind dazu heute mit Technik zur TS-Messung ausgerüstet, was eine recht genaue Einschätzung in Echtzeit erlaubt. Ist das nicht der Fall, sollte der Landwirt neben der Aufbereitung auch den TS-Gehalt seiner Silomais-Chargen kurz vor bzw. zur Ernte mit untersuchen (z. B. mit Heißluftfriteuse).

Das die theoretische Häcksellänge nach dem Trockensubstanzgehalt ausgerichtet wird, ist wichtig für eine gleichmäßige Aufbereitung des Häckselgutes. Richtwerte finden Sie in der folgenden Tabelle.

Das die theoretische Häcksellänge nach dem TS-Gehalt ausgerichtet wird, ist auch wichtig für eine gleichmäßige Aufbereitung des Silomais.

Katrin Berkemeier
Theresa Hagemann