Praxis

Grünlandpflege: Wann weniger mehr ist

Bald beginnt die Grünlandsaison und damit die Grasnarbenpflege. Striegel und Schleppe sind hier die Geräte der Wahl – sie angemessen einzusetzen, erfordert neben Wissen auch Feingefühl. Praxistipps aus der Grünlandberatung.
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Bald beginnt die Grünlandsaison und damit die Grasnarbenpflege. Striegel und Schleppe sind hier die Geräte der Wahl – sie angemessen einzusetzen, erfordert neben Wissen auch Feingefühl. Praxistipps aus der Grünlandberatung.

Über die Höhe der Intensität der Grünlandpflege zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Gerät, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Zumindest kann man das annehmen, wenn man in der Praxis beobachtet, wie unterschiedlich auf den Beständen gearbeitet wird. Mit der schweren Striegel-Nachsaat-Walzen-Kombination zu Vegetationsbeginn und dann nach jedem Schnitt losfahren? Oder reicht es doch, im Frühling mit der einfachen Wiesenschleppe sachte die Bahnen über die Grasnarbe zu ziehen?

„In der Grünlandpflege gilt, weniger ist teilweise mehr“, sagt dazu Grünlandberater Martin Hoppe (Landwirtschaftkammer NRW). Er hat mit uns über den Weg zum idealen Maß an Pflege für dichte Grasnarben und wertvolle Futtergräser als Bestandsbildner gesprochen.

Technische Details, die bei Striegeln über Erfolg oder Schaden für die Grasnarbe entscheiden können, finden Sie in den kurzen Fotostrecken.

2 x Grünlandpflege: Sanft im Frühjahr & aggressiv im Spätsommer

Die Anforderungen der Grasnarbe an die Art und Weise der mechanischen Pflege unterscheidet sich im Verlauf der Vegetation. Die Häufigkeit beschränkt sich – „bei fortwährend gepflegten Beständen“ – auf zwei Maßnahmen:

  • eine vorsichtige Start-Pflege im zeitigen Frühjahr (je nach Befahrbarkeit und phänologischer Entwicklung Ende Februar/ Anfang März)
  • und eine reinigende Intensiv-Pflege im Spätsommer/Herbst (Ende August/September).

Von einer Pflege mit dem Striegel nach jedem Schnitt rät Martin Hoppe unbedingt ab: Junge Triebe sowie neu aufgelaufene Graspflanzen, aus einer ggf.  nach dem vorherigen Schnitt erfolgten Nachsaat, würden dadurch geschädigt oder ganz zerstört. Der erhöhte Arbeits- und Materialaufwand würde dann zu keinem Nutzen führen, sondern eher zu Schaden in Form eines geschwächten Folgeaufwuchses und verschenktem, teuren Saatgut! 

HINWEIS: Grassaatgut, insb. Qualitätsstandardmischungen, Deutsches Weidelgras, Ackergrassaatgut und Nachsaatmischungen (auch aus Markenprogrammen), sind knapp und 15 bis 25 % stärker nachgefragt als üblich. Entsprechend hoch sind die Preise. Da derzeit nicht von einer Entspannung der Situation über den Sommer ausgegangen wird, wird dennoch dazu geraten, sich jetzt frühzeitig noch mit dem betriebsindividuell benötigten Saatgut einzudecken, auch wenn es zumeist erst im Sommer benötigt wird. / Quelle: LWK NRW

„Im Frühling reicht das sanfte Quetschen mit der Schleppe“

Zweck der Frühjahrspflege ist es im gut geführten Grünland, neben dem zerstäubenden Einebnen von Maulwurf- und Wühlmaushaufen, nur einen leichten Reiz auf das sprießende Gras auszuüben. Denn zu diesem Zeitpunkt sind die Grashalme empfindlich, besonders die aus einer erfolgten Herbstnachsaat aufgelaufenen jungen Pflanzen. 5 Tipps zur Frühjahrs-Pflege:

  1. Im Frühling reicht ein sanftes Quetschen der Pflanzenteile, um die gewünschten Effekte der Nebentriebbildung und Bestockung auszulösen. „Das leistet völlig zufriedenstellend auch die klassische Wiesenschleppe mit Sterngitternetz. Ein Striegel mit massiven Zinken und aggressiv ausgerichtetem Striegelfeld ist zur Frühjahrspflege fehl am Platz“, so die Erfahrung des Grünlandberaters. Eine vollständige Übersaat in Kombination mit der Wiesenschleppe (z .B. mit Schneckenkornstreuer) zur Frühjahrspflege findet Martin Hoppe viel zu uneffektiv (teuer, wenig Erfolgschancen): Die Sternglieder haben – für das sanfte Quetschen eingestellt (!) – zu wenig kratzende Wirkung auf den Boden, um für eine Nachsaat geeignete Lücken zu schaffen. Und ohne Lücken macht eine Nachsaat wenig Sinn. Und Lücken möchte man im Frühling eigentlich überhaupt gar nicht erzeugen (siehe 4. und 5.)! Der alte Trend Schneckenkornstreuer ist allgemein an einem nachgewiesenen willkürlichen Streubild (= verschenktes Saatgut) gescheitert. Zum Überstreuen von wenigen, punktuellen Lücken in ansonsten gut daliegenden Grasnarben kann er noch eine Option sein, für eine flächendeckende Übersaat jedoch keinesfalls.
  2. Wenn mit dem Striegel, dann sanft: Wer keine Wiesenschleppe hat, sondern ausschließlich mit dem Striegel arbeitet, der sollte die Zinken zur Frühjahrspflege möglichst schleppend, also sanft wirkend, einstellen. Martin Hoppe rät im Grünland allgemein von zu starken Zinken ab. Er empfiehlt eine Stärke der Zinken von 8 mm. Diese seien „multifunktionell“, sowohl für ein sorgsames Arbeiten im Frühjahr und das intensive Arbeiten im Spätsommer geeignet. Das am Striegel vorhandene Frontstreifblech/Crossboard/Ripperboard zum Einebnen von Erdhaufen sollte im Grünland unbedingt gut gefedert und nicht zu tief eingestellt sein. „Es soll zerstäubend einebnen und nicht schälend planieren“, so Hoppe. Dreiecksschienen sind ideal.
  3. Sparen Sie sich die Walze: Die Zeit der schweren Wiesenwalze ist bis auf wenige Ausnahmen Geschichte. Einzig angebracht kann ihr Einsatz noch zur Rückverfestigung auf hochgefrorenen organischen, anmoorigen Böden oder zum Glätten massiver Trittschäden sein. „Auf mineralischen Böden richtet ihr Einsatz mehr Schaden als Nutzen an. Es gibt Versuche, die zeigen, dass sich Böden nach dem Anwalzen mit der schweren Glattwalze durch die Verdichtung langsamer erwärmen, sodass es durchaus zu Wachstumsverzögerungen von über einer Woche kommt“, erklärt Hoppe.  Aber auch der Einsatz von in Striegel-Kombinationen verbauten Prismen- oder Cambridge-Walzen ist im Frühjahr in der Regel nicht nötig. „Sie allein haben hier keinen herausragenden Pflegeeffekt. Notwendig sind sie im Frühjahr nur zum Anwalzen hochgefrorener und zu stark aufgelockerter Böden (organisch) oder zum Eindrücken von Steinen in Neuansaaten bzw. von Saatgut, wenn eine Übersaat in geschädigten Beständen erfolgen sollte.“ (siehe 4.)
  4. Übersaat im Frühling nur bei „natürlichen“ Lücken:  Eine Nach- bzw. Übersaat ist zur Frühjahrspflege nur effektiv, wenn auch tatsächlich offene (nicht ausgekämmte!) Lücken im Bestand sind. In eine vorhandene Grasnarbe hineingesät, wäre die Konkurrenz der vorhandenen Gräser für die Keimlinge zu groß. Da Martin Hoppe vom Auskämmen der Grasnarbe im Frühjahr abrät (siehe 5.), ist ein Nachsäen dann nur im Fall von Auswinterungslücken, Narbenschäden aus dem Vorjahr oder durch Schwarzwild wirklich sinnvoll. Zu einer umbruchlosen Grünlanderneuerung oder Glättung grober Bodenunebenheiten, quasi einer leichten Neuansaat, haben massiv ausgeführte Striegel-Kombinationen (z. B. Güttler) einen deutlichen Vorteil. Diese Geräte sind gesamt betrachtet eher für den Ackerfutterbau als für die reine Grünlandpflege ausgelegt. 
  5. Kein Auskämmen der Gemeinen Rispe im Frühjahr! Beim Grünlandstriegel wird immer über die mögliche Aggressivität gesprochen. Diese zielt auf das mechanische Bekämpfen von unerwünschten Gräsern und Pflanzen in den Grasnarben ab. Im Wesentlichen ist das die Gemeine Rispe und das Flechtstraußgras. „Ein Bestreben, diese in der Frühjahrspflege rausarbeiten zu wollen, sehe ich überhaupt nicht als sinnvoll an“, sagt allerdings Martin Hoppe dazu. Denn: „Im ersten Aufwuchs liefert die Gemeine Rispe zum passenden Schnittzeitpunkt neben nicht zu unterschätzender Masse auch gute Nährstoffgehalte. Würde man sie zur Frühjahrspflege auskämmen, würde ihr Ertrag im 1. Schnitt fehlen“. Der mögliche Gedanke, dann enstehende Lücken eben nachzusäen, macht keinen Sinn. Denn die daraus auflaufenden jungen Gräser können zum ersten Schnitt noch keine Masse liefern. Die Zeit der Rispen-Bekämpfung ist der Spätsommer!

Bildergalerie: Technische Details, die im Frühjahr einen Unterschied machen können

„Aggressives Ausstriegeln plus Nachsaat gehört in den Spätsommer“

Die Zeit der intensiven „aggressiven“ Grünlandpflege ist der Spätsommer oder der frühe Herbst. Bei stark sanierungsbedürftigen Flächen kann eine solche Pflege auch schon früher sinnvoll sein.

Zweck der Spätsommer-Pflege ist es, unerwünschte Gräser (Gemeine Rispe, Flechtstraußgras auf feuchteren Standorten) und junge bzw. flachwurzelnde Kräuter in der Grasnarbe mechanisch (= Auskämmen) zu bekämpfen. Gleichzeitig soll die Konkurrenzkraft gewünschter Pflanzen durch Nach-/Durchsaat gestärkt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist der Druck der vorhandenen Gräser, durch ihre nun geringere Wuchskraft, für die keimende Saat geringer und die Keimlinge haben noch genug Zeit, sich vor Winter zu etablieren (Niederschlag vorausgesetzt, siehe auch Kasten „Mit Durchsaattechnik auf der sicheren Seite“).

Um die Chancen für das Auflaufen und Etablieren der Grassamen optimal zu gestalten, bedarf es lichter Lücken (Filz, Ungräser raus!) auf denen die Erde leicht aufgekratzt ist. So können die Samenkörner den nötigen Bodenschluss zur Wurzelbildung finden („keine Betonoberfläche“) und haben wenig Lichtkonkurrenz.

Diese Bedingungen kann eine Wiesenschleppe nicht (entfilzen) leisten, hier ist der Grünlandstriegel klar im Vorteil. „Auch bei genügender Bodenfeuchte sind deutlich bessere Feldaufgänge beim Einsatz von Striegel-Nachsaatkombinationen als mit einer Schleppe zu beobachten“, so Hoppe.

Unter den im Spätsommer teilweise auftretenden Trockenphasen (extrem: Sommer 2018) und damit trockenen Böden, ist eine gewisse Aggressivität der Grünlandstriegel gefragt. „Meiner Ansicht nach ist massive Technik damit jedoch nicht einfach gleich die effektivere“, so der Berater.

5 Tipps zur Spätsommer-Pflege mit Striegel-Nachsaat-Kombinationen

  1. Immer kurz nach der Nutzung pflegen: Grünlandbestände werden sanierend gepflegt, wenn sie möglichst kurz sind. „Also immer im Zeitraum kurz nach der letzten Nutzung“, erklärt Martin Hoppe. Die Halme der bestehenden, erwünschten Gräser werden nicht für den Folgeschnitt/die Folgenutzung beschädigt, die Keimlinge haben weniger Licht-Konkurrenz durch die Altpflanzen, die Gemeine Rispe und mögliches Filz ist gut angreifbar.
  2. Gefederte 8 bis 10 mm-Zinken sind ideal: Kurze 12 mm-dicke Striegelzinken sind zwar robust und aggressiv, sie sind aber auch weniger beweglich, also starr, und das auch unter Tempo (siehe 3.). „Mein Eindruck ist es, dass es mit derartigen Zinken im Grünland nur zu einem einfachen Streifenreißen in der Grasnarbe kommt. Was nicht zielführend ist“, so Hoppe. Denn bei der gleichzeitig erfolgenden Nachsaat, in der Regel mittig in das Striegelfeld, fallen zwar einige Körner in die gerissenen Furchen und bekommen damit Anschluss an den Boden, aber viele fallen auch auf die unbearbeitete, glatte Oberfläche zwischen den Streifen. Auch mehr Gewicht ändert daran nichts.
  3.  Tempo ist wichtig: Vorteil schlanker und stark gefederter Zinken (8 bis 10 mm) ist, dass sie schwingen und damit den Strichabstand schließen können, also auf größerer Breite arbeiten. Wichtig ist bei ihrem Einsatz, mit einer hohen Arbeitsgeschwindigkeit zu fahren und zwar in Höhe von 10, 11 bis 12 km/h. „Dann kommen die schlanken Zinken durch den Bodenkontakt in Schwingung und beginnen zu rotieren. So arbeiten sie sehr flächig, sowohl beim Herausheben der flachwurzelnden Rispe als auch beim Aufkratzen des freien Bodens.“ 
  4. Perforierende Walzen überzeugen: Grassamen sind Lichtkeimer, sie müssen nicht eingegraben werden. Ist genügend Bodenfeuchtigkeit zum Nachsaatzeitpunkt vorhanden und steht diese auch in den kommenden Wochen in Aussicht, dann muss das aufgestreute Saatgut nicht unbedingt mit einer Walze angedrückt werden. Sind die Bodenbedingungen aber eher trocken und bleiben auch so, dann sollte unbedingt eine perforierende Walze zum Andrücken der Grassamen zum Einsatz kommen. „Ideal sind Prismen- oder Cambridge-Walzen. Diese gewähren fast jedem Samenkorn Bodenschluss“, so Martin Hoppes Erfahrung. Entweder laufen diese in gebauter Kombination hinter dem Striegel mit oder es sollte möglichst rasch im Anschluss an das Striegeln ein gesonderter Walzgang erfolgen. „Würde damit mehrere Tage gewartet, kann es sein, dass die Samen schon gekeimt haben. Werden sie dann übergewalzt, können die Keime abbrechen und wären damit zerstört.“
  5. Viel Material abfahren: Arbeitet der Striegel auf sanierungsbedürftigten Flächen viel Material aus, sodass dieses in einer Schicht oder Nestern auf den entstandenen Lücken liegt, dann sollte man sich doch die Arbeit machen und dieses von der Fläche abfahren. Denn unter dem „Filzmull“ findet weder die Nachsaat noch die erwünschten Alt-Pflanzen danach gute Bedingungen! In einem solchen Fall wäre von mehr Schaden (im Bestand und finanziell!) als Nutzen auszugehen. Bei Striegel-Kombinationen, bei denen das Ergebnis der Narbenentfilzung nicht so gut ist – also Ungräser nicht vollständig herausgearbeitet sind – sollte die Walze aus der Kombination genommen werden. Denn wird das Material direkt nachlaufend angewalzt, kann es wieder anwachsen, der gesamte Arbeitsgang wäre nahezu umsonst gewesen. In derartigen Fällen sollte erst einige Tage versetzt gewalzt werden, wenn die Wurzeln halb ausgerissener Pflanzen ausgetrocknet sind.  
  6. Zu trocken für die Nachsaat mit der Striegel-Kombi? Auch ein Striegel kommt an seine Grenzen. Im Sommer und Herbst 2018 lagen extreme Bedingungen hinsichtlich Bodentrockenheit und -härte vor. Bei hier mit Striegel-Nachsaat-Walzen-Kombinationen durchgeführten Nachsaaten konnten häufig keine erfolgreichen Ergebnisse erzielt werden (auch mit erhöhten Auflagedrücken nicht). Die Nachsaat hatte nicht genügend Bodenanschluss, um zu überstehen, auch wenn es vielleicht zum Keimen noch gereicht hat. „Unter derartigen Bedingungen, sie müssen noch nicht mals so extrem wie vergangenes Jahr sein, hat mich die Leistung der Durchsaattechnik absolut überzeugt“, erklärt Hoppe. „Damit ist man bei trockenen Bedingungen, was die Nachsaat betrifft, auf der sichereren Seite.“ Mehr dazu siehe Kasten.

Bildergalerie: Technische Details, die im Spätsommer einen Unterschied machen können

Mit Durchsaat auf der sicheren Seite

Im Extremjahr 2018 konnten die besten Auflauf-Ergebnisse zu den erfolgten Spätsommerpflegen im Grünland mit Durchsaat-Technik (= Schlitzsaat) erzielt werden, so Martin Hoppe. Durch die Ablage direkt und max. 1 cm tief in den Boden, hatten die Grassamen dabei die besseren Chancen zu keimen und sich zu etablieren als bei vergleichsweise gestreuter Übersaat. Und das, obwohl die den Geräten nachlaufende Glattwalze den erzeugten Saatschlitz im Einsatz in 2018 trockenheitsbedingt oft nicht wirklich wieder andrücken konnte. In den Schlitzen hält sich die Taufeuchtigkeit bei abnehmender Tageslänge besser, als im gekratzten Saatbett.

Vor der Durchsaat muss die Fläche von starkem Filz durch ein Striegel-Gang ohne nachlaufende Walze befreit werden. Die Saat erst einige Tage später durchführen, wenn das ausgekämmte Material getrocknet ist.

Katrin Berkemeier