Innovation

Herdentypisierung sinnvoll nutzen

Genomischen Zuchtwerte eröffnen schon sehr frühzeitig die Möglichkeit, Jungrinder zu selektieren. Tipps, wie Sie die Herdentypisierung im eigenen Betrieb nutzen können! 
Die genomische Zuchtwertschätzung (gZWS) hat sich fest in der...

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Genomischen Zuchtwerte eröffnen schon sehr frühzeitig die Möglichkeit, Jungrinder zu selektieren. Tipps, wie Sie die Herdentypisierung im eigenen Betrieb nutzen können! 

Die genomische Zuchtwertschätzung (gZWS) hat sich fest in der Holsteinzucht etabliert. Mit dem Angebot der Herdentypisierung erhält man jetzt auch auf weiblicher Seite verlässliche Informationen über die genetische Veranlagung der Rinder. Fragen wie „Welche Kälber ziehe ich auf und welche kann ich verkaufen?“ oder „Welche Jungrinder belege ich mit gesextem Sperma und welche Kühe mit Fleischrassebullen?“ können anhand genomischer Zuchtwerte auf einer fundierten Grundlage objektiv beantwortet werden. Erste Auswertungen zeigen zudem, dass sich der Zuchtfortschritt als besonders schnell und positiv beweist. Wer sich für dieses „Management-Werkzeug“ entscheidet, sollte sich aber über Nutzen und Kosten im Klaren sein. 

Damit sich die Genotypisierung der Tiere im eigenen Betrieb rechnet, müssen die Daten gezielt genutzt werden. Wie das funktionieren kann und was beachtet werden sollte, haben wir erfahrene Betriebsleiter und Experten für die praktisch angewandte genomische Zucht gefragt!

Lesen Sie in den verlinkten Artikeln die wichtigsten Tipps der Experten:

Was ist Herdentypisierung? 

Kurz gesagt meint Herdentypisierung, die gesamte Herde, also alle weiblichen Tiere eines Betriebes auf ihre genetische Veranlagung (Genotyp) untersuchen zu lassen. Entscheidet sich ein Milchkuhhalter in Absprache mit dem jeweiligen Zuchtverband für die Herdentypisierung, bekommt er entsprechende Ohrmarken mit Gewebestanze für die gewünschten Tiere automatisch von den Vereinigten Informationssystemen Tierhaltung e.V. (vit) zugesandt. Sind die Ohrmarken eingezogen, werden die Gewebeproben (DNA-Proben) per Post zum Labor geschickt. Über sogenannte Markerinformationen der DNA und den Vergleich zu der gesamten Population werden dann die relativen Zuchtwerte für alle bekannten Merkmale geschätzt. Ungefähr zwei Wochen später können die Zuchtwerte über das Webportal NETRINDgenom des vit abgerufen werden. Neben den Zuchtwerten werden die DNA-Proben auch auf genetische Besonderheiten wie Erbfehler oder Hornlosigkeit getestet. Die Sicherheiten, dass sich die anhand des Genotyps geschätzten Zuchtwerte auch im Phänotyp so ausprägen, liegen bei rund 70%. In Zukunft erhält jeder Typisierungsbetrieb automatisch auch die neuen Gesundheitszuchtwerte seiner Tiere.

Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Herdentypisierung sind eine MLP- und Herdbuchmitgliedschaft. Die Kosten der Herdentypisierung betragen seit dem 1. Juni 2019 in ganz Deutschland 25,50 Euro plus MwSt. je Tier.

Bei den Holsteins hat sich die genomische Zuchtwertschätzung bisher mit Abstand am stärksten entwickelt und etabliert. Aber auch die Fleckvieh-Züchter gehen zunehmend in diese Richtung. Unter dem Namen „FLEQS“ ist in Bayern jetzt ein genomisches Fleckvieh-Projekt gestartet. Damit sollen die Gesundheit des Fleckviehs und die gesamte Zuchtwertschätzung verbessert werden. 

Der Zuchtfortschritt zeigt sich deutlich 

Der Begriff Zuchtfortschritt beschreibt den Leistungsunterschied eines Tieres gegenüber der vorherigen Generation. Im Bereich der genomischen Zuchtwertschätzung wird der Zuchtfortschritt in den genomischen Zuchtwerten, also der genetisch bedingten Leistung, der Tiere betrachtet. Erste Auswertungen zeigen deutlich, wie schnell ein Zuchtfortschritt dank der Genotypisierung realisiert wird. In den Betrieben liegt der Zuchtfortschritt (gRZG) nach gerade einmal zwei Jahren (2016 bis 2018) zwischen 3 und fast 19 Punkten über dem Durchschnitt. Je intensiver gezüchtet wird, d.h. je höher die Zuchtwerte der genutzten Rinder und Bullen, desto größer ist der zu erwartende Zuchtfortschritt. Da die Selektionsintensität anhand genomischer Daten von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ausfällt, ist auch der erreichte Zuchtfortschritt unterschiedlich. 

Katrin Berkemeier
Katrin Hilbk-Kortenbruck