Reportage

In der Ruhe liegt die Kraft

150 Kilometer südöstlich von Prag liegt der Betrieb Zeras. Auf zwei Standorten werden knapp 1.500 Kühe gemolken. Trotz der hohen Tierzahlen geht es hier sehr ruhig zu. Dafür sorgt Zuchtleiter Jaroslav Dvořák. <span style="white-space:...

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150 Kilometer südöstlich von Prag liegt der Betrieb Zeras. Auf zwei Standorten werden knapp 1.500 Kühe gemolken. Trotz der hohen Tierzahlen geht es hier sehr ruhig zu. Dafür sorgt Zuchtleiter Jaroslav Dvořák. 

Im Melkstand melken zwei Mitarbeiterinnen die Kühe. Ohne Rufen, ohne Pfeifen oder hektische Bewegungen. Die Maschinen befinden sich unterhalb der breiten und hell erleuchteten Melkgrube.  Diese Ruhe scheint sich auch auf die schwarzbunten Kühe zu übertragen, denn sie wirken ausgesprochen entspannt und danken das Management mit einer Leistung von über 12.000 kg. 

Mit dem Blick aufs Detail

Jaroslav Dvořák ist selbst ein gelassener Mensch. Während er über den Betrieb führt, spricht er mit ruhiger Stimme und blickt oft zu den Kühen. Sie sollen sich wohlfühlen und dafür wird im Kuhstall einiges getan. So wurden z.B. die Matratzen in den Liegeboxen wieder herausgenommen, weil die Kühe zu viele Scheuerstellen an den Gelenken aufwiesen.  Die Abschlusskanten der Liegeboxen wurden dann mit einer zusätzlichen Holzleiste um einige Zentimeter erhöht, damit nicht so viel Einstreumaterial verloren geht. „Das größte Problem ist es, das richtige Bett für die Kuh zu finden“, sagt Zuchtleiter Dvořák. Nun werden die Boxen alle zwei Wochen mit Separatorsubstrat eingestreut und zusätzlich mit einer Strohschicht versehen. Denn:

Nur eine zufriedene Kuh gibt auch viel Milch“

Zuchtleiter Jaroslav Dvořák

Auch bei der Besamung wird den Kühen Zeit gelassen. Die automatische Brunsterkennung läuft bis zum 70. Tag, erst danach werden die Kühe synchronisiert. Drei Wochen vor der Abkalbung durchlaufen alle Kühe ein Impfprogramm für Immunität und Gesundheit. Die Färsen werden teilweise mit gesextem Sperma besamt und stehen in einer separaten Gruppe mit eigenem Abkalbebereich.

Separate Fütterung

Damit die Fütterung so entspannt wie möglich abläuft, sind die Kühe auf dem Betrieb in vier Fütterungsgruppen eingeteilt:

  • Frischmelker bis drei Wochen nach der Kalbung
  • Hochleistende Kühe (etwa zwei Drittel der Herde)
  • Kühe in der mittleren Laktation
  • Altmelker

Die Rationen variieren zwischen den einzelnen Gruppen. Bei den hochleistenden Kühen wird auf dem Betrieb viel Wert auf einen hohen Anteil an Grundfutter gelegt, der bei 26 bis 28 kg Frischmasse liegt. Dazu kommen noch 12 kg Kleesilage, 6 bis 7 kg Zuckerschnitzel, 4 kg Rapsschrot, 5 kg Treber, 0,5 kg Heu und maximal 10 kg Kraftfutter. Seit fünf Jahren wird auf Soja verzichtet und stattdessen für die Eiweißversorgung auf Rapsschrot gesetzt, welches selbst angebaut wird.

Im Moment kommen sie noch hin mit den Arbeitern, erklärt der Zuchtleiter. Die meisten Mitarbeiter wohnen in einer Entfernung von etwa 10 Kilometern zum Betrieb. Gemolken wird dreimal am Tag, um 3.30 Uhr, 12.00 Uhr und 20.00 Uhr. Die Arbeiter haben die Auswahl zwischen zwei Modellen. Entweder können sie alle zwei Tage zwölf Stunden arbeiten oder an vier Tagen hintereinander mit zwei freien Tagen im Anschluss.

Derzeit sind sie mit ihren Mitarbeitern zufrieden. Beobachtet man die Melker bei der Arbeit, dann weiß man auch warum. Hier ist es weder laut noch hektisch. Auch die Qualität der Milch stimmt, die Zellzahlen sind niedrig. Die Vorgehensweise bei Krankheiten ist durchdacht. Bei jeder Mastitis wird auf dem Betrieb ein Erregernachweis gemacht, erst dann wird behandelt. Kühe, die in der Laktation eine Mastitis hatten, werden antibiotisch trockengetellt, alle anderen bekommen nur einen Zitzenversiegler.

Am liebsten hätte Zuchtleiter Jaroslav Dvořák in Zukunft einen neuen Melkstand. Ein automatisches Karussell kann er sich gut vorstellen. Denn obwohl der Betrieb im Moment mit Mitarbeitern gut aufgestellt ist, macht er sich Sorgen, dass es in Zukunft nicht so bleibt. Sollten die Mitarbeiter irgendwann ausbleiben, könnte ein automatisches Karussell die Melkarbeit vielleicht am ehesten so ruhig und stressfrei verrichten, denkt er. 

Wenn die guten Arbeitskräfte ausgehen, soll der Melkstand von einem automatischen Karussell abgelöst werden.
Sophie Oehler