Praxis

Kälberdurchfall richtig managen

Um systematisch gegen Durchfallerkrankungen bei Kälbern vorgehen zu können, gehört Diagnostik, z.B. mit einem Schnelltest, ebenso dazu wie ein Tränkeplan.
Wenn neugeborene Kälber wässrigen Durchfall bekommen, verlieren sie massiv...

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Um systematisch gegen Durchfallerkrankungen bei Kälbern vorgehen zu können, gehört Diagnostik, z.B. mit einem Schnelltest, ebenso dazu wie ein Tränkeplan.

Wenn neugeborene Kälber wässrigen Durchfall bekommen, verlieren sie massiv Flüssigkeit und Elektrolyte und trocknen schnell aus. Die durchfallverursachenden Magen-Darm-Viren, Bakterien und Parasiten sind ansteckend, sodass schnell eine ganze Tiergruppe erkrankt. Von heute auf morgen kann sich die Gesundheitssituation im Kälberstall rasant verschlechtern. Tierhalter müssen dann Elektrolyt tränken und nicht mehr saufende Kälber dem Tierarzt vorstellen. In schweren Fällen sterben die neugeborenen Tiere trotz intensivmedizinischer Maßnahmen. Das kostet Mehrarbeit, Geld und die Arbeit im Kälberstall macht alles andere als Spaß.

Systematischer Durchfall-Tränkeplan

Besser ist es, wenn man  auftretende Krankheiten systematisch angeht und einen Plan hat, mit dem sich der Durchmarsch von Magen-Darm-Viren durch den Stall stoppen lässt. Dieser sollte schriftlich formuliert sein und der Inhalt mit den zuständigen Mitarbeitern besprochen werden. So weiß jeder, was bei den ersten Durchfallsymptomen zu tun ist. Folgende Punkte sollten betriebsindividuell in eine solche  Arbeitsanleitung eingearbeitet werden:

  • Durchfallkälber von der Gruppe isolieren.
  • Wärmezufuhr (Rotlichtlampe), trockene und saubere Einstreu.
  • Dreimal täglich zwei Liter Elektrolytlösung. Die Milchtränke kann zeitgleich auf mehrere kleinere Portionen (1 bis 2 Liter) verteilt werden. Bei ad-libitum-Milchtränke nur solche Elektrolyttränken verwenden, die mit Milch kompatibel sind (Information steht auf der Verpackung).
  • Spätestens dann, wenn Kälber nicht mehr selbstständig saufen, ist der Tierarzt einzuschalten (Infusion, Blutazidosebekämpfung).
  • Bei Blutvergiftung sind neben dem Einsatz von Antibiotika auchEntzündungshemmer ratsam.
  • Geduldiges Anregen zum Trinken unterstützt den Heilungsverlauf.
  • Unterstützende Therapie mit Probiotika.

 

Diagnostik spart Arzneimittel

Um die beteiligten Erreger zu identifizieren, ist Diagnostik nötig. Um eine auf den Keim zugeschnitteneTherapie einzuleiten, ist es sinnvoll, die ersten drei durchfallkranken Kälber untersuchen zu lassen. Das reduziert den unnötigen Medikamenteneinsatz auf die wirklich medizinisch sinnvollen Produkte.

Der Kot muss frisch aus dem Enddarm des Kalbes entnommen werden. Schnelltestsysteme machen es möglich, ­innerhalb von wenigen Minuten zu zeigen, um welchen Durchfallerreger es sich handelt. Im folgenden Video sehen Sie, wie schnell und einfach ein Schnelltest funktioniert.

 

VIDEO

 

Kühe schützen Kälber

Je nach Ergebnis können Sie mit dem Bestandstierarzt das weitere Vorgehen besprechen. Werden Rota-, Coronaviren oder E.coli-Bakterien nachgewiesen, hilft die Muttertiervakzination in der Trockensthehphase. Tragende Rinder werden ein- bis zweimal vor der Kalbung gegen die o. g. Erreger geimpft. Sie bilden Antikörper, die sie über die Biestmilch an das Kalb weitergeben. Voraussetzung für einen Impferfolg ist, dass die zu impfenden Muttertiere gesund sind und die neugeborenen Kälber die „aufgewertete“ Biestmilch auch früh genug in ausreichender Menge aufnehmen. Die Impfstoffhersteller empfehlen nach der Muttertierimpfung eine verlängerte Biestmilchgabe von zehn bis zwölf Tagen.

Lautet das Schnelltestergebnis Kryptosporidien, hilft die orale Eingabe von Halofuginon (Halagon, Halocur). Das Arzneimittel hat eine geringe therapeutische Breite und muss exakt dosiert werden. Werden Kokzidien bei Absetzern oder zugekauften Kälbern im Kot nachgewiesen, dann helfen kokzidienwirksame Arzneimittel. Wirkstoff: Diclazuril, Produkte (Vecoxan, Diclazuril); Wirkstoff: Toltrazuril (Baycoxbovis, Toltrantil) oder Sulfonamide (Bigram, Hefo trim, …). Diclazuril und Toltrazuril sind auch zur Metaphylaxe zugelassen, d.h. sie werden bereits vor dem erwarteten Kokzidien-Ausbruch eingesetzt. Diese Behandlung soll verhindern, dass die Infektion ausbricht oder zumindest die Symptome lindern.

Durchfall ist ansteckend und kann schnell von Kalb zu Kalb weitergegeben werden. Einzeliglus und Boxen müssen deshalb immer im Rein-Raus-System belegt werden. Vor jeder Neubelegung wird gereinigt und desinfiziert. Werden Kryptosporidien oder Kokzidien nachgewiesen, muss wegen der umweltresistenten Dauerstadien eine Spezialdesinfektion durchgeführt werden, z.B. DesintecFL-coc, Endosan, Interkokask, Neopredisan.

Durchfallrisiko beginnt mit der Geburt

Damit Kälber gar nicht erst krank werden, kann man viel tun. Das sind die
wichtigsten Prophylaxe-Maßnahmen, die –konsequent durchgeführt- das Infektionsrisiko eindämmen.

  • Sofortige Trennung von Kalb und Muttertier nach der Kalbung.
  • Innerhalb der ersten Lebensstunde Biestmilch (Qualitätskontrolle) tränken.
  • Aufstallung in Einzelboxen oder Kälberhütten mit Außenklima.
  • Jedes Kalb hat einen eigenen Nuckeleimer.
  • Ausreichend saubere, trockene Einstreu.
  • Keine Zugluft
  • Tränke richtig konzentriert, temperiert und immer zur gleichen Zeit anbieten.
  • Gesunde Kälber vor den kranken füttern.
  • Wasser im Tränkeeimer ab ersten Lebenstag anbieten.
  • Nach jedem Tier-Durchgang, Kälberboxen oder -ställe reinigen und desinfizieren.

 

Stressfaktoren erkennen und abschalten

Ein gesundes Kalb kommt mit einer geringen Menge Infektionserreger
zurecht.
Kommt jedoch ein Stressfaktor hinzu, wird das Kalb krank.

Typische Stressfaktoren sind:

  • Unsaubere Abkalbebox mit hohem Infektionsdruck.
  • Zu späte Versorgung mit oder qualitativ minderwertige Biestmilch.
  • Kuh und Kalb werden nach der Kalbung zu spät getrennt. Die Kuh steckt das Kalb an.
  • Der Milchaustauscher ist falsch konzentriert oder schlecht gelöst.
  • Wechselnde Zusammensetzung oder Temperatur der Tränke.
  • Minderwertige Heuqualität.
  • Mangelnde Reinigung der Tränkeeimer.
Dr. Marion Weerda

Münster

mw@elite-magazin.de