Reportage

Nachhaltigkeit vermarkten

Arjan Stokman und seine Familie sind genauso Milchbauern wie „Erfinder“: Sie sind auf der Suche nach Nebenprodukten aus der Milchkuhhaltung, die sich als Einkommensalternativen vermarkten lassen.

Arjan (24), Tiny (59) und Anton (62) Stokman betreiben für ihre 300 Kühe einen Stall mit Wahlfreiheit: Die Kühe können grasen, ein Bad nehmen oder im Stall bleiben – ganz nach Belieben. Natürlich gehört zu dieser Philosophie auch automatisches Melken. Die Kühe danken es ihnen mit einer durchschnittlichen Leistung von 10.500 kg. Doch auch Familie Stokman hat mit den steigenden Kosten zu kämpfen und wie viele andere Niederländer kaum die Möglichkeit, sie durch mehr Kühe aufzufangen. Arjan Stokman und seine Eltern haben sich deswegen entschieden, nach neuen Einkommensmöglichkeiten zu suchen – und möglichst viele „Nebenprodukte“ der Kühe dazu zu nutzen. 

In den vergangenen Jahren haben sie stark in regenerative Energie (Photovoltaik, Biogas) und die Verminderung von Emissionen investiert (emissionsarme Spalten). „Sobald wir etwas messen und belegen können, lässt sich damit auch Geld verdienen“, ist Vater Anton Stokman überzeugt. So will er gewappnet sein, wenn der private Handel mit Emissionszertifikaten möglich wird und hat mehrere Zehntausend Euro in ein Gerät investiert, dass den Ammoniak- und Methanausstoß seines Stalles misst. Die Einsparungen, die er in seinem effizienten Stallsystem erreicht, will er in Form von CO2-Equivalenten an andere Verbraucher weitergeben. 

Dieses Beispiel ist symptomatisch für den Innovationsgeist der Familie: Als Versuchsfarm für FrieslandCampina, Mitglied der European Dairy Farmers und „Flagship-Farm“ von McDonalds (Programm, in dem Farmer sich untereinander über eine nachhaltige Wirtschaftsweise austauschen sollen) ist der Austausch mit anderen und das Ausprobieren neuer Techniken für sie gang und gäbe. „Milch ist weiß – doch die Art, wie sie produziert wird, wird in Zukunft immer wichtiger für die Verbraucher. Das können wir im Marketing nutzen“, sagt Anton Stokman.

Selbstverständliches vermarkten

„Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Ich finde, wir sind mit unserer modernen Milchkuhhaltung schon sehr gut dabei – wir müssen es nur besser verkaufen!“, wirft Arjan Stokman ein. Den Laufstall nennt die Familie „Free-Choice-Barn“ („Freie-Wahl-Stall“), die Liegeboxen „Wasserbetten“, das Lichtprogramm „Lichttherapie für den Winter“. GVO-freie Produktion und eine Fütterung basierend auf heimischem Grundfutter ließen sich ohnehin gut erklären. 

Im alten Melkstand haben Stokmans einen Besucherraum mit Sitzmöglichkeit und Erläuterungen eingerichtet. Ihre Aktivität in Richtung Nachhaltigkeit, neue Technologien, Emissionsminderung und Tierwohl gemeinsam mit ihren Marktpartnern trägt Früchte: Nicht nur McDonalds, auch Starbucks ist interessiert an einer solch „nachvollziehbaren“ Produktion. Nicht sonderlich anders als auf vielen anderen Höfen – aber übers Marketing kommuniziert! 

Engagierter Hofnachfolger

Wie Arjan Stokman die Zukunft seines Betriebes sieht und wie er zu den vielen Produktionsvorgaben von FrieslandCampina steht, beantwortet er im folgenden Video:

Christine Stöcker

cs@elite-magazin.de