Praxis

Tiefboxenpflege leicht gemacht

Damit Tiefboxen komfortabel sind, benötigen sie viel Pflege. Es gibt robuste technische Lösungen, welche die zeitintensive und anstrengende Handarbeit ablösen.
Tiefboxen mehrmals täglich mit der nötigen Sorgfalt zu pflegen, kostet viel...

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Damit Tiefboxen komfortabel sind, benötigen sie viel Pflege. Es gibt robuste technische Lösungen, welche die zeitintensive und anstrengende Handarbeit ablösen.

Tiefboxen mehrmals täglich mit der nötigen Sorgfalt zu pflegen, kostet viel Arbeitszeit. Plant man sich diese Zeit nicht fest ein bzw. ist sie z.B. aufgrund von Arbeitskräftemangel gar nicht verfügbar, dann verschlechtert sich der Liegekomfort und damit die Liegezeit der Kühe, die Euterhygiene nimmt ebenso ab wie die Leistungsfähigkeit der Kühe. Deutliche Erleichterung bieten technische Lösungen für die Boxenpflege. Sie ermöglichen gerade Milchkuhbetrieben mit großen Herden die konsequente Boxenpflege (u.a. Einbringen und Glätten der Einstreu) und machen die körperlich anstrengende Arbeit im Nebeneffekt zu einer beliebten Tätigkeit. Wir haben uns für Sie zwei bewährte Lösungen im Praxiseinsatz angeschaut.

Ein Boxenkamm für feine Einstreu

Der Milchkuhbetrieb Albring in Niedersachsen setzt bereits seit Jahren auf eine technische Lösung für die Pflege seiner 450 Tiefboxen. Die Betriebsleiter haben sich dafür ein spezielles Gerät anfertigen lassen, das ihren Ansprüchen entspricht: Da sie ein sehr feinkrümeliges Material einstreuen, das sich unter dem Gewicht der Kühe schnell festdrückt, benötigen sie ein Gerät, dass es ihnen täglich ermöglicht, die Einstreu innerhalb kürzester Zeit komplett aufzulockern und zu durchlüften. Aufgrund der feinen Struktur der Einstreu reicht dafür ein einfaches Harken aus. Davon ausgehend entstand der sogenannte Boxenkamm, den Sie im folgenden Video im Praxiseinsatz sehen.

Zu erwähnen ist, dass Albrings das Abschieben der Spaltenböden und das Einstreuen der Boxen durch den Gebrauch eines selbstfahrenden Einstreugerätes mit integriertem Spaltenschieber (Firma Boreco) ebenfalls arbeitseffizient erledigen.

Warum und nach welchen Kriterien sich der Betrieb Albring den Boxenkamm hat anfertigen lassen und wie die tägliche Boxenpflege in den Ställen organisiert ist, erfahren Sie im folgenden Video-Interview mit dem Betriebsleiter André Albring.

Weitere technische Details an dem Boxenkamm können Sie sich in der nachfolgenden Bildergalerie anschauen.


Eine Fräse für Strohmatratzen

Die Basis der Tiefboxen für die 290 Holstein-Kühe der Familie Neuenhoff in Schermbeck (Nordrhein-Westfalen) bildet eine Matratze aus einem Strohgemisch. Auf diese wird dann täglich mit einem Einstreugerät eine dünne Schicht frisches Häckselstroh aufgetragen. Im Abstand von zwei bis drei Wochen werden die Boxen dann wieder neu mit der strohbasierten Grundmischung aufgefüllt.

Bei derartig langfaseriger Einstreu bilden sich unter dem Einfluss der Kühe und der Witterung relativ schnell fest verdichtete „Hügel“ in der Liegefläche und besonders unter den Boxenbügeln. Ähnlich geschieht es bei der Verwendung von Gemischen mit Holzspänen. Verstärken kann sich dieser unerwünschte Effekt wenn zusätzlich Kalk zur Einstreu bzw. im Gemisch eingesetzt wird. Um den Liegekomfort für die Kühe bei entsprechender Einstreu aufrechtzuhalten, müssen die beschriebenen Verdichtungen regelmäßig aufgelockert und eingeebnet werden. Erledigt man dies wirklich sorgfältig von Hand mit einer Forke oder Harke, ist das eine körperlich anstrengende und sehr zeitintensive Arbeit!

Alle unsere 290 Kühe sowie die Jungrinder liegen in Tiefboxen – die damit verbundene Arbeit kann man nicht ohne Technik schaffen!“

Hartmut Neuenhoff

Auf dem Milchkuhbetrieb Neuenhoff übernimmt das notwendige Einebnen der Liegeflächen daher ein mechanischer Liegeboxenplaner der Firma Mehrtens. Das Anbaugerät mit hydraulisch angetriebener Schnecke kommt bei Neuenhoffs allerdings nicht täglich zum Einsatz, sondern nur alle zwei bis drei Wochen. Und zwar bevor die strohhaltige Grundmischung neu in die Boxen nachgefüllt wird bzw. öfter, wenn zwischendurch Bedarf besteht. Nutzer dieses Typs von Liegeboxenplaner berichten, dass sich mit ihm neben Liegekomfort und Arbeitszeit auch der Materialaufwand an Einstreu optimieren lässt.

Im folgenden Video sehen Sie, wie die lästigen Hügel in den Liegeflächen in nur einer Überfahrt mit dem Boxenplaner weggefräst und die Einstreu gelockert und gleichmäßig verteilt wird.

Technische Details zu dem Boxenplaner mit Frässchnecke von der Firma Mehrtens können Sie in der nächsten Bildergalerie näher betrachten.

Warum der Boxenplaner von Mehrtens zumindest auf dem Betrieb Neuenhoff nicht zur täglichen Boxenpflege eingesetzt wird, hat einen guten Grund. Sie erfahren ihn von Senior-Betriebsleiter Hartmut Neuenhoff im nachfolgenden Interview.

„Kein Boxenplaner für jeden Tag“

Hartmut Neuenhoff
Hartmut Neuenhoff führt den Milchkuhbetrieb gemeinsam mit seinem Sohn Henning Neuenhoff. Foto: K. Berkemeier

Elite Impulse: Herr Neuenhoff, warum haben Sie sich den Liegeboxenplaner gekauft?
Hartmut Neuenhoff: Alle unsere 290 Kühe sowie die Jungrinder liegen in Tiefboxen – die damit verbundene Arbeit kann man nicht ohne Technik schaffen! Schon gar nicht mit der Strohmatratze. Also haben wir uns im Zuge der Herdenvergrößerung im Jahr 2013 auch nach Geräten umgeschaut, die die Pflege der Tiefboxen erleichtern.

Elite Impulse: Aus welchem Grund haben Sie dieses Gerät gewählt?
Hartmut Neuenhoff: Es gab soweit kein anderes vergleichbares. Wir hatten auch erst die Idee, selbst etwas zu bauen, aber das wäre zu kompliziert geworden. Für die langfasrige Einstreu muss es schon ein Gerät mit Fräse sein, das die dichten Huckel in der Liegefläche auflösen kann. Auf den Planer von Mehrtens sind wir über eine Anzeige aufmerksam geworden.

Elite Impulse: Wie hoch war der Anschaffungspreis?
Hartmut Neuenhoff: Das Gerät hat neu knapp 3.000 € gekostet. Das ist ein angemessener Preis, finde ich.

Elite Impulse: Was empfehlen Sie für den Einsatz des Liegeboxenplaners?
Hartmut Neuenhoff: Es ist meiner Meinung nach kein Gerät für die tägliche Boxenpflege. Denn das Material wird beim Einplanen ja komplett in der Bearbeitungstiefe durchmischt und auch aus dem hinteren in den vorderen Liegebereich getragen. Im Hinblick auf die Eutergesundheit setzen wir den Boxenplaner daher nur ein, wenn wir danach direkt eine frische Grundmischung in die Boxen auffüllen. Also nur alle zwei bis drei Wochen. Auf diese Basis streuen wir dann einmal täglich eine Schicht frisches Häckselstroh. Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. Die Liegeflächen sind trocken, die Kühe sauber und von guter Eutergesundheit. 75 Prozent der Kühe haben eine Zellzahl unter 100.000 Zellen/ml.

Elite Impulse: Benötigt das Gerät eine besondere Pflege?
Hartmut Neuenhoff: Nein. Es wird angebaut, benutzt und wieder abgebaut. Ohne Saubermachen und großartiges Abschmieren. Das einzige, was ich in den fünf Jahren daran repariert habe, war, dass ich zwei halbe Stahlhülsen neu um die Welle aufgeschweißt habe. Das ist wohl die Schwachstelle. Wir senken das Gerät für eine bessere Führung ganz auf die Boxenkante ab, sodass die Welle über dem Beton läuft, da hat man natürlich Verschleiß. Aber das ist überschaubar.

Katrin Berkemeier
kb@elite-magazin.de