Wirtschaft

Unternehmer brauchen Ziele

Die Rahmenbedingungen sind schwierig, möglicherweise geben benachbarte Milcherzeuger auf. Warum sollte ausgerechnet der eigene Milchkuhbetrieb überleben? Ganz klar: Anders als Ihre Nachbarn haben Sie Ziele und eine Vision!
Etwas sehr Schweres...

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Die Rahmenbedingungen sind schwierig, möglicherweise geben benachbarte Milcherzeuger auf. Warum sollte ausgerechnet der eigene Milchkuhbetrieb überleben? Ganz klar: Anders als Ihre Nachbarn haben Sie Ziele und eine Vision!

Etwas sehr Schweres rutscht in die Magengegend. Nicht unbedingt ein Stein, sondern weicher, ohne feste Kanten. Man möchte dem Druck nachgeben, sich einfach eine Decke über den Kopf ziehen. So fühlt es sich an, wenn von allen Seiten Hiobsbotschaften laut werden (Dünge-Verordnung, sinkende Milchpreise, Futterknappheit). Der Druck von außen nimmt immer weiter zu. Sie fühlen sich hilflos und können sich nur schwer vorstellen, wie Ihr Betrieb in den nächsten Jahren weiterlaufen soll. Dabei würden Sie so gern aktiv werden, etwas unternehmen. Nur wie? 

Ziele können helfen, sich aus dieser Hilf- und Antriebslosigkeit zu befreien. Keine Absichtserklärungen á la „Ich möchte endlich mehr Geld verdienen“ oder „Ich will den Betrieb zukunftssicher aufstellen“. Stattdessen ein realistisches, klar umrissenes Ziel, mit dem sich ein Plan entwickeln lässt, wie man das gesetzte Ziel ganz konkret erreichen kann.  

Sich klar werden, wohin es geht

Jeder Unternehmer sollte wissen, wo er sein Unternehmen in einem, drei oder zehn Jahren sieht. Langfristige Ziele beschreiben den idealen Zustand des Unternehmens in der fernen Zukunft (10 bis 25 Jahre, „Vision“) sowie den Zweck, den dieses Unternehmen für die Gesellschaft erfüllt („Mission“). Gerade die Vision sollte klar und verständlich in einem Satz formuliert werden können. 

(Wie eine Vision oder eine Mission für einen Milchkuhbetrieb aussehen kann, lesen Sie in der Reportage weiter unten im Artikel.) 

Kurz- und mittelfristige Ziele bilden die Meilensteine für die nächsten ein bis drei Jahre, an denen man sich mit der Unternehmensentwicklung orientiert. Dabei nicht zu hoch pokern: Fünf konkrete  Ziele reichen für die nächsten ein bis drei Jahre, zwei bis drei für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Ein konkretes Ziel ist SMART: 

ZeichenBedeutungBeschreibungBeispiel
sspezifischZiele müssen eindeutig und
präzise definiert sein.
„Ich senke die
Zellzahl in der
Herde in den
nächsten drei
Monaten von
200.000
Zellen/ml auf
150.000
Zellen/ml ab.“
mmessbarJedes Ziel braucht eine Kennzahl.
aansprechend, herausfordernd
Ziele müssen für eine Person
ansprechend bzw. erstrebenswert sein, aber auch erreichbar.
rrealistischDas gesteckte Ziel muss möglich
und realisierbar sein.
tterminiert
Jedes Ziel braucht ein fixes
Datum, bis wann es erreicht bzw.
überprüft werden sollte.
Quelle: Institut Querfeld Group
Erstellt mit dem HTML Tabellen Generator von netgrade

Tipp: Mehr dazu finden Sie in Elite 1/2018 sowie in einem Leitfaden des Fraunhofer-Instituts: Strategisch Ziele entwickeln.

Auf Basis der Unternehmensziele lässt sich eine Unternehmensstrategie entwickeln. Während die Ziele zeigen, welche Meilensteine Sie bis wann erreichen wollen, macht die Strategie deutlich, wie das funktionieren soll. Beispiele: Sollten die Melker wieder eine Schulung erhalten, um die Melkroutine besser einzuhalten? Muss ein neuer Melkstand her, um Arbeitskraftstunden einzusparen? Könnte ein Kommunikationsberater dabei helfen, die Stimmung im Dorf zu verbessern? 

Tipps, um Ziele auch tatsächlich zu erreichen

Frank Albers
frank.albers@email.de

Ein gestecktes Ziel auch tatsächlich zu erreichen, benötigt Willen und Durchhaltevermögen. Leicht kommt man zwischendurch vom Weg ab. Frank Albers, Business-Coach, rät, sich selbst fünf Fragen zu stellen:

Konkrete Ziele statt Willenserklärungen! ‚Gute Vorsätze‘ sind zum Scheitern verurteilt.“

Frank Albers, Business-Coach
  1. Warum will ich das Ziel erreichen? 
  2. Ist es mein Ziel oder das von jemand anderem?
  3. Was passiert, wenn ich das Ziel nicht erreiche?
  4. Was hat mich bisher davon abgehalten? 
  5. Will ich das wirklich?

So lassen sich mögliche Hindernisse erkennen und man macht sich nochmals klar, warum man das Ziel gern erreichen möchte. Tipp: Ziel schriftlich formulieren! Das schafft Verbindlichkeit.

Wer zudem noch Berater, Mitarbeiter oder Familienmitglieder über einen geplanten Stichtag informiert, muss sich nach Verstreichen Nachfragen gefallen lassen. Das erzeugt ein wenig Druck von außen, der manchen beim Durchhalten hilft. Auch, sich Gleichgesinnte oder Diskussionspartner zu suchen (z. B. Arbeitskreise, Stammtische, Online-Gruppen), kann der Motivation auf die Sprünge helfen. Und: „Ohne Plan geht es nicht“, sagt Frank Albers, „Brechen Sie den Aufgaben-Berg auf viele kleine Schritte herunter.“

Um ein Ziel zu erreichen, das kontinuierliches Dranbleiben erfordert, empfiehlt er zudem die Jerry-Seinfeld-Methode: Dabei markiert man jeden Tag, an dem man für das Ziel gearbeitet hat, mit einem roten X im Kalender. Auch, wenn es einmal nicht klappt, macht man anschließend weiter. „Menschen wollen die Kette nicht unterbrechen, das motiviert“, erklärt Frank Albers dazu. 

Je länger die „Kette“ wird, desto weniger möchte man sie unterbrechen: Eine Markierung im Kalender für jeden Tag, an dem man daran gearbeitet hat, sein Ziel zu erreichen.