Wirtschaft

Unternehmer brauchen Ziele

Die Rahmenbedingungen sind schwierig, möglicherweise geben benachbarte Milcherzeuger auf. Warum sollte ausgerechnet der eigene Milchkuhbetrieb überleben? Ganz klar: Anders als Ihre Nachbarn haben Sie Ziele und eine Vision!
Etwas sehr Schweres...

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Ein Beispiel aus der Praxis

Wie sehr Visionen und Ziele dabei helfen können, einen Betrieb weiterzuentwickeln, zeigt das Beispiel von Daphne und Lloyd Holterman. Die beiden bewirtschaften gemeinsam mit ihren Partnern Tim Strobel und Jordan Matthews einen Milchkuhbetrieb mit 1.000 Kühen im Süden von Wisconsin. Die Herde hat derzeit eine durchschnittliche Milchleistung von 13.712 kg. Die Abgangsrate beträgt 23 %, die Lebensleistung 54.000 kg

Lloyd und Daphne Holterman, Rosy-Lane Holsteins LLC, Wisconsin (USA)

Auf ihrer Farm „Rosy-Lane Holsteins“ ist die Vision allgegenwärtig: auf dem Hofschild, der Arbeitskleidung der Mitarbeiter, den Arbeitsanweisungen, dem monatlichen Rundbrief, auf der Homepage, im Büro, im Melkstand und im Konferenzraum. Daphne Holterman erzählt: „Es war ein langer Prozess. Wir wollten eine Vision für unseren Betrieb definieren. Ein Berater hat dann Schritt für Schritt mit uns erarbeitet, wie sich unsere Vorstellungen und Werte herunterbrechen lassen.“

Vision: Great People. Great Cows. Great Returns. (Tolle Menschen. Tolle Kühe. Tolle Rendite.)

Mission: Für unsere Tiere zu sorgen und dabei Produktion und Profitabilität im Gleichgewicht zu halten, während wir natürliche Ressourcen (Luft, Land, Wasser) schützen und unserer Familie und Angestellten ein komfortables Leben ermöglichen. Im Besonderen:

  • Herausragende Holsteingenetik für den weltweiten Markt bereitstellen
  • Profitable und umweltfreundliche Technologien für Pflanzen und Tiere nutzen und ausprobieren
  • ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen mit Zukunftspotenzial aufrechterhalten
  • hochqualitative Milch produzieren und eine maximale Rendite mit minimalem Input erhalten
  • in lokalen Gemeinschaftsaktivitäten teilhaben und die Landwirtschaft gegenüber Städtern repräsentieren.

„Great people“ beschreibt demnach, dass das Team einen Großteil dazu beiträgt, die Farm erfolgreich zu machen. Erfolgreich im Sinne von, dass „die Mitarbeiter des Betriebs die Kühe 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr sorgfältig füttern und pflegen“. Dann „produzieren unsere Kühe hoch qualitative Milch, für die wir basierend auf Fett und Eiweiß bezahlt werden. Wir füttern ihnen täglich eine exakt gemischte Ration, um den Vorteil ihrer Genetik zu nutzen – gesunde, reproduktionsgesunde und langlebige Kühe“. Das seien die „great cows“. Die „returns“, Erträge, gingen dann an die Gemeinschaft, die Umwelt und das Team. Man gebe „Zeit und Talent an die Heimatgemeinde“, indem man sich in Ausschüssen und Organisationen engagiere. Auch der Gewinn für Umwelt und Team wird sehr genau beschrieben und deutlich kommuniziert. Hier finden Sie den Text im Original.

Dieser Prozess trägt Früchte. Denn das Team von Rosy-Lane kann genau definieren, wofür der Betrieb steht. Das hilft im Alltag ganz praktisch bei verschiedenen Dingen:

  • Mit gutem Beispiel vorangehen: Sowohl die Geschäftsführer als auch die Angestellten sehen das Motto schon bei Betreten des Hofes und auf beinahe allen Arbeitsmaterialien. „Gerade die vier Partner erinnert es daran, jede dazu nötige Aufgabe in Angriff zu nehmen und nichts auf andere abzuwälzen, was man selbst nicht erledigen möchte“, sagt Daphne Holterman.  
  • Neue Angestellte einarbeiten: Mit dem Arbeitsvertrag erhalten alle neuen Mitarbeiter ein Papier mit Vision und Mission, welches von allen Geschäftsführern unterschrieben ist. Nach sechs Monaten gibt es für neue Mitarbeiter eine Schulung, in denen die Ziele des Betriebs und auch der Weg dahin genauer erläutert werden. Dies soll eine Atmosphäre schaffen, in der die gesetzten Ziele auch erreicht werden können.
  • Neue Methoden oder Technologien genau prüfen: Bringt die Einführung einen Mehrwert in Bezug auf die Ziele und die Vision von Rosy-Lane? Geht es nur um „mehr“ oder verbessert sich auch die Qualität? Führt die Neuerung dazu, bei gleichem Input den Output zu steigern?

Dass dies auch für den Chef nicht immer einfach ist, hat Lloyd Holterman selbst schon erlebt. Mehrere Mitarbeiter, die die Kalbungen auf dem Betrieb betreuten, kamen von einer Fortbildung mit der für ihn wahnsinnigen Idee eines „Don’t touch-approach“ zurück: Kalbende Kühe sollten bei einer Just-in-Time-Abkalbung nach der Umstellung in den Abkalbebereich komplett alleine gelassen werden. Erst nach acht Stunden dürfe mit Geburtshilfe unterstützt werden, so die Meinung der Experten. „Ich konnte das nicht verstehen, konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Ansatz funktioniert“, sagt Lloyd Holterman. Doch er traute sich! „Ich habe sie doch schließlich extra weggeschickt, damit wir besser werden.“ Die neue Methode wurde ausprobiert. Die Kälber waren vitaler, es gab weniger Labmagenverlagerungen und Metritis, die Kühe gaben in den ersten 15 Tagen mehr Milch. Zudem ging die Totgeburtenrate zurück. Daher wird der neue Ansatz heute auf dem gesamten Betrieb erfolgreich umgesetzt. Lloyd: „Bis heute kann ich keiner Kuh beim Kalben zuschauen. Ich schalte darum den Monitor im Büro immer aus.“

Auch die übrigen Produktionsziele erreicht das Team von Rosy-Lane Holsteins derzeit recht gut (siehe Übersicht). 

2017 – derzeit
Ziel
3,3% Verluste
< 3%
0% mit Antibiotika behandelt
< 0,5%
153 Laktationstage
<170
1,8 Besamungen/Trächtigkeit
< 2,0
817$ Profit/Kuh/Jahr (Dreijahresschnitt)
> 800$
114.000 somatische Zellen/ml Milch
< 150.000
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Künftig wollen Daphne und Lloyd Holterman die guten Ergebnisse halten und weiterhin in der Lage sein, zu reisen und Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Zweimal die Woche treffen sie sich mit ihren Partnern, sechsmal im Jahr geht es in einem längeren Meeting um die langfristigen Entwicklungen: „Die Nummer 1 zu sein, Teil eines Gewinnerteams, fühlt sich hervorragend an. Aber man muss etwas dafür tun!“

Weitere Infos zum Herdenmanagement auf Rosy-Lane Holsteins LLC finden Sie in Elite 2/2018, eine ausführliche Bildergalerie gibt es hier.