Wirtschaft

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Sage und schreibe 12.540 kg ECM geben die mehr als 400 Kühe von Sjoerd Ydema. Sein Erfolgsrezept: Sich ganz und gar auf die Kühe fokussieren!
Sjoerd Ydema ist einer von 600 Niederländern, die in den vergangenen Jahrzehnten einen...

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Sage und schreibe 12.540 kg ECM geben die mehr als 400 Kühe von Sjoerd Ydema. Sein Erfolgsrezept: Sich ganz und gar auf die Kühe fokussieren!

Sjoerd Ydema ist einer von 600 Niederländern, die in den vergangenen Jahrzehnten einen Milchkuhbetrieb in Dänemark gekauft haben. Im Jahr 1995 mit 50 Kühen und 55 ha gestartet, managen er und seine Frau Martine inzwischen 425 Kühe und bewirtschaften 470 ha. Und zwar mit großem Erfolg. Denn seine Kühe geben im Schnitt 12.540 kg Energie-korrigierte Milch und erreichen eine Lebensleistung von 35.315 kg Milch (!). Wie erreicht er diese hohen Leistungen? 

Betriebsleiter Sjoerd Ydema Bild: Ostermann-Palz

Struktur ist die Zauberformel

„Sich ganz und gar auf die Kühe fokussieren. Das ist wichtig. Wenn ich früher pflügen musste, bin ich nach einem Hektar eingeschlafen, weil es mir keine Spaß gemacht hat. Deshalb habe ich seit Langem die Außenwirtschaft vergeben.“ Die hohen Leistungen und Arbeitseffizienz erreicht Sjoerd Ydema aber auch über eine strukturierte Arbeitsorganisation, hohe Motivation der Mitarbeiter und LEAN-Management. Dieses Management, das ursprünglich aus der Automobilindustrie stammt und stabile Prozessabläufe ermöglichen soll, umfasst u. a. eine routinemäßige Kontrolle aller Arbeitsabläufe, Beseitigung von Arbeiten ohne Mehrwert und die Einbeziehung der Mitarbeiter. Auch die Arbeitsplatzorganisation wird hierbei durchdacht: Sortieren (Dinge, die für die Arbeit nicht nötig sind, werden entfernt), Systematisieren (Arbeitsutensilien liegen am gleichen Platz), Sauberkeit, Standardisieren (Farbcodes helfen z. B. Auswertung der Melkdaten) und Stabilisieren (Arbeitsprozesse werden regelmäßig analysiert). 

Unsere Stärke ist unsere hohe Arbeitsproduktivität.

Sjoerd Ydema

Melkdaten werden täglich überwacht

Ein Beispiel für dieses Management ist Ydemas kontinuierliche Auswertung der Melkdaten. „Fast 80 % unserer Arbeit besteht aus dem Melken, deshalb haben wir diesen Arbeitsvorgang besonders im Fokus.“ Daher werden täglich wichtige Melkdaten auf einem Whiteboard (siehe Bildergalerie) notiert und ausgewertet. Kenndaten, die nicht passen, werden mit der Farbe rot markiert. „Uns ist es z. B. wichtig, dass mehr als 42 % des gesamten Gemelks innerhalb der ersten zwei Minuten nach dem Ansetzen ausgemolken werden. Das ist für uns ein Zeichen, dass die Kühe ausreichend vorbereitet wurden.“ Diese Kennwerte werden von den Mitarbeitern täglich, für alle sichtbar, notiert. Einmal wöchentlich werden die Werte dann gemeinsam angeschaut und analysiert.

Als Konsequenz aus einem nicht einheitlichen Vorbereiten der Kühe hat Sjoerd Ydema beispielsweise vor einigen Monaten in automatische Bürsten (siehe Bildergalerie) zum Reinigen und Stimulieren der Zitzen investiert. 

  • 425 Kühe
  • 12.450 kg ECM
  • 470 ha
  • 8 Mitarbeiter (für die Kühe)

Allein auf die Mitarbeiter verlassen

Trotzdem Sjoerd Ydema sein Management durchdacht hat, kann er einige Risiken nicht ausschließen. „Unser schwächster Punkt: Wir bewirtschaften den Hof ausschließlich mit unseren Mitarbeitern. Unsere Kinder wollen nicht in die Milchkuhhaltung einsteigen. Dies gefährdet unseren Betrieb, falls uns etwas zustoßen sollte. Wir sind damit sehr abhängig von unseren Mitarbeitern.“ Ydemas größte Herausforderung ist daneben 
der Kapitaleinsatz. „Er ist hoch, aber aufgrund des niedrigen Zinssatzes können wir damit umgehen.“

Birte Ostermann-Palz