Reportage

Zurück zur Weide

Piet Jan Thiebaudier hat nach über 10 Jahren wieder mit Weidehaltung angefangen. Die Kombination aus niedrigeren Kosten und mehr Milchgeld (Weidezuschlag) ermöglicht ihm die Marge, die er zum wirtschaftlichen Arbeiten benötigt.

„Meine Kosten sind in den vergangenen Jahren immer stärker gestiegen“, sagt Piet Jan Thiebaudier, „gleichzeitig kam ich mit meinem Milchgeld kaum noch aus. Da habe ich mich entschieden, den Verbraucherwünschen nachzugeben und Weide wieder einzuführen.“ Thiebaudier erhofft sich von diesem Schritt, die Kosten um mindestens 1,5 Cent/kg Milch zu senken (v. a. durch niedrigere Futter-/Lohnunternehmerkosten) und gleichzeitig durch den Weidezuschlag einen um 1,5 Cent höheren Milchpreis zu erhalten. Diese drei Cent zusätzlich sollen die Marge bringen, die er benötigt, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Bislang sind Piet Jan und Lebensgefährtin Tineke zufrieden: Seit Mai 2018, als die Kühe erstmals seit 10 Jahren wieder auf die Weide gingen, haben sich die Futterkosten kurzfristig sogar um zwei bis drei Cent reduziert. Die Inhaltsstoffe der Milch hatten sich in den ersten Monaten nicht verändert. 

Grasen wieder lernen

Eine Herausforderung hingegen kam unerwartet: Piet Jans Kühe kannten zwar Gras, doch wie Grasen geht (hohe Futteraufnahme, kontinuierliches Fressen), das wussten sie nicht! Als Glück im Unglück stellte sich heraus, dass die 40 Kühe, die er 2017 von seinem Nachbarn übernommen hatte, seinen eigenen Kühen da ein Stück Wissen voraus hatten und sie anlernen konnten.

Während des Sommers gingen die Kühe bereits für rund sechs Stunden auf die Weide. Ziel ist eine Weidedauer von 12 Stunden im nächsten Jahr. „Wir steigern das Schritt für Schritt“, erklärt Piet Jan. Die Kühe müssten ja trotzdem genug Energie aufnehmen. Er fährt eine Portionsweide und öffnet den Kühen jeden Tag ein neues Stück. Insgesamt stehen den Kühen 40 ha, aufgeteilt in 15 Paddocks, zur Verfügung. Auf 70 ha wird Silage als Winterfutter produziert. Derzeit erreichen die eine Milchleistung von 8.700 kg und sollen diese wenigstens 150 Tage im Jahr auf der Weide „erfressen“. 

Mehr Zeit für Kühe

Nicht zuletzt, weil er im Vergleich zur Frischgrasfütterung rund zwei bis drei Stunden Arbeitszeit täglich einspart, erhalten Piet Jans Kühe viel Aufmerksamkeit. Er setzt auf Kreuzungen zwischen Holstein-Friesian, Dänischen Roten und Montbeliarde. Um seinem Zuchtziel (9.000 kg Milch bei 5 % Fett und 4 % Eiweiß) näherzukommen, spült er die besten Kühe und besamt rund 60 % der Herde mit weißblauen Belgiern. Die frisch abgekalbten Kühe bleiben im Stall, bis sie stabil sind. Auch Trockensteher stehen drinnen. Jungvieh hingegen kommt nach draußen – „Die müssen das schließlich lernen.“

Auch die Futteraufnahme ist ihm wichtig. Um diese noch besser abschätzen zu können, war Piet Jan schon länger auf der Suche nach einer Technik gewesen, die ihm erlaubte, schon vor der Ernte den Ertrag zu schätzen. In Australien stieß er auf den „Pasture Reader“ – ein Gerät, das, am Mähwerk befestigt, in Echtzeit die Menge des Grases bestimmt. Weil er keinen Importeur fand, übernahm er diesen Job selbst und entwickelt das Gerät mit einem Freund, Arjan Hulsman (Ingenieur), für die niederländischen Bedingungen weiter. Das Gerät misst per Ultraschall Höhe und Dichte des Grases. Die Genauigkeit der Ergebnisse hängt dann von der Kalibrierkurve ab. 

„Im Schnitt haben meine Flächen 12.000 kg Trockenmasse (TM)/ha. Das reicht aber von 8.000 bis 20.000 kg TM – wie kann ich die schlechteren Flächen auf 12,5 t/ha bringen? Da liegt noch viel Potenzial verborgen!“, ist Piet Jan überzeugt.  

Mehr Infos zum Pasture Reader (Kosten ca. 5.000 Euro) finden Sie hier.

Natürliche Ressourcen besser nutzen

„Mein Ziel für die Zukunft ist ein vollständig Gras-basierter Betrieb. Ich möchte aus dem verfügbaren Gras eine optimale Produktion mit relativ niedrigen Kosten ermöglichen“, sagt Piet Jan Thiebaudier. „Was mir jetzt schon gefällt – die Weide bringt für mich das Vergnügen zurück in die Milchkuhhaltung!“

Christine Stöcker

cs@elite-magazin.de