Wirtschaft

Arla und DMK reagieren auf den Markt

Die Milchverarbeiter reagieren mit ihren Umstellungen auf GVO-frei erzeugte Milch auf die Nachfrage am Markt. Die Entwicklungstendenzen beobachten sie dabei genau, denn ob der Trend auch langfristig Zukunft hat, ist ungewiss.

Arla hat sich zur 100 %igen Umstellung der sie beliefernden Milcherzeugerbetriebe auf GVO-frei bis Ende 2019 entschieden – nach der Umstellung werden es 6 Milliarden Kilogramm Milch in allen sieben europäischen Ländern sein, in denen Arla-Landwirte GVO-freie Milch produzieren. Damit wird Arla führend in Europa. Welche Zukunft hat diese Entscheidung jetzt und für die nächsten 10 Jahre? Und wie schätzt der derzeitige Marktführer in puncto GVO-freie Milchprodukt-Handelsmarken am deutschen Milchmarkt, das Deutsche Milchkontor (DMK), die Situation ein?

Elite hat mit den beiden Unternehmen über ihre Beweggründe und Markteinschätzungen gesprochen. Die Antworten lesen Sie in den beiden Interviews  Arla: „Wir beobachten die Entwicklungen und reagieren darauf“ und DMK: „Außerhalb Europas sehen wir derzeit keine vergleichbaren Tendenzen“.

Arla: „Wir beobachten die Entwicklungen und reagieren darauf“

Im Interview Markus Teubner, Pressesprecher der Arla Foods Deutschland GmbH.

Mit der Entscheidung, die Milchproduktion vollständig auf GVO-freie Fütterung umzustellen, folgen wir den Anforderungen des Marktes“

Markus Teubner, Arla Deutschland

Elite: Welche Beweggründe stecken hinter der Entscheidung, dass alle Arla-Milcherzeuger in der Region Zentraleuropa ab 2020 auf gentechnisch veränderte Futtermittel verzichten müssen?

Markus Teubner, Arla: GVO-frei erzeugte Produkte werden stark von deutschen Verbrauchern und dem Handel nachgefragt. So gaben im Frühjahr 2017 in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa,  77 % der befragten Verbraucher an, dass sie Milch und Milchprodukte aus gentechnikfreier Herstellung möchten. Damit Arla diese Nachfrage bedienen und ein entsprechendes Geschäft realisieren kann, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden. Und auch in anderen europäischen Ländern sowie international sehen wir Potenzial und steigendes Kundeninteresse für Milch aus  GVO-freier Fütterung. Zudem entstehen bei der Erfassung verschiedener Milchtypen höhere Kosten in der Logistik und Produktion.

Elite: In welchen Ländern müssen die Arla-Milcherzeuger in diesem Jahr genau umstellen?

Markus Teubner: Die Umstellung gilt für die Landwirte in Deutschland, Belgien, Luxemburg und in den Niederlanden. Die Milch aus diesen Regionen wird zu großen Teilen in Deutschland verarbeitet und vermarktet. Die Umstellung gilt nicht für Arla-Landwirte in Großbritannien. In Schweden produzieren bereits alle Arla-Landwirte unter gentechnikfreier Fütterung, in Dänemark ist dies in Teilen auch der Fall, u. a. bei der gesamten Trinkmilch.

Elite: Welchen Stellenwert hat die Entscheidung zu einer 100% GVO-freien Fütterung für das Marketing von Arla?

Markus Teubner: Natürlichkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmens- und Markenphilosophie. Daher hat die Umstellung auf 100% GVO-freie Fütterung auch für unser Marketing einen hohen Stellenwert.  

Elite: Wie weit denkt Arla den Gedanken GVO-frei in der Verarbeitung weiter? Was ist mit Produktionshilfsstoffen, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen erzeugt werden bzw. selbst derartige Mikroorgansimen sind (z. B. Milchsäurebakterien oder Lab-Enzym)?

Markus Teubner: Arla Foods arbeitet unter dem einheitlichen „Ohne Gentechnik“-Siegel, um dieses zu erhalten ist eine Zertifizierung über die gesamte Wertschöpfungskette notwendig. Denn nach der deutschen Gesetzgebung dürfen bei der Herstellung von „Ohne Gentechnik“- Lebensmitteln keine Zutaten, Zusatzstoffe oder Verarbeitungshilfsstoffe eingesetzt werden, die oder deren Bestandteile aus GVO bestehen, GVO enthalten oder aus GVO hergestellt sind. Zahlreiche unserer Produkte, sowohl Handelsmarken als auch Arla-Marken, tragen bereits den Hinweis „ohne Gentechnik“. In enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten erweitern wir dieses Angebot stetig.

Elite: Erlaubt die Umstellung auf 100 % GVO-frei überhaupt noch eine höhere Wertschöpfung? Arla macht es molkereiintern jetzt zum Standard, aber auch Wettbewerber wie das DMK bieten bereits eine hohe Menge GVO-frei erzeugter Milch an.

Markus Teubner: In Deutschland wächst die Nachfrage nach diesen Milchprodukten kontinuierlich und Handel sowie Verbraucher sind bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Elite: Bezahlen die Verbraucher denn bei den Arla-Produkten bzw. Handelsmarken tatsächlich mehr für GVO-frei?

Markus Teubner: Diese Preisgestaltung liegt beim Handel.

Elite: Bleibt der GVO-frei-Bonus für die Arla-Landwirte erhalten oder verschmilzt er im Jahr 2020  mit dem Basispreis? Werden die Mehrkosten durch die GVO-freie Fütterung für die Milcherzeuger weiterhin ausgeglichen werden können?

Markus Teubner: Für die Umstellung auf die GVO-freie Fütterung erhalten alle Arla-Landwirte derzeit einen Zuschlag von 1,0 Cent/kg Milch. Die Erfahrungen vieler unserer Milcherzeuger zeigen, dass eine Umstellung auf GVO-frei unter einer Optimierung einer leistungsgerechten Futterration und in Verbindung mit dem Zuschlag auch wirtschaftliche Vorteile bieten kann. Zudem beobachtet Arla regelmäßig die Entwicklung der Kosten für Futterrationen, um einschätzen zu können, ob die Höhe des Zuschlags angemessen ist.

Elite: Lässt sich sicherzustellen, dass genügend gentechnisch unveränderte Futterkomponenten (insbesondere Soja, Körnermais, Raps, Sonnenblumenkerne, Futterfette) für die wachsende Zahl an GVO-frei produzierenden Milcherzeuger- sowie anderen Nutztierbetrieben verfügbar sind und bleiben?

Markus Teubner: Nach den uns vorliegenden Informationen gibt es ausreichend Futtermittelalternativen für eine GVO-freie Milchproduktion. Dabei geht es nicht nur um den Einsatz von GVO-freiem Soja. Die entsprechende Produktqualität muss durch die Futtermittelhersteller und -händler sichergestellt werden.

Elite: Welche Argumente sprechen für Arla dafür, dass die Entscheidung hin zu 100 % GVO-frei der richtige Weg auch für die nächsten 10 Jahre oder darüber hinaus ist? Es mehren sich schließlich die Stimmen, die warnen, dass ohne den Einsatz von Biotechnologien wie der Gentechnik in der Pflanzen- bzw. Lebensmittelproduktion die wachsende Weltbevölkerung nicht ernährt werden kann – insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden  Flächenentzug aus der landwirtschaftlichen Nutzung sowie vor der Gefahr von Ertragsminderung durch die klimatischen Veränderungen.

Markus Teubner: Mit der Entscheidung, die Milchproduktion vollständig auf GVO-freie Fütterung umzustellen, folgen wir den Anforderungen des Marktes. Nur so können wir sicherstellen, unsere Produkte – und damit die Milch unserer Genossenschaftsmitglieder – auch erfolgreich zu vermarkten. Es wird sich zeigen, welche weiteren Entwicklungen, auch aufgrund klimatischer Veränderungen, Angebot und Nachfrage in den kommenden Jahren mitbestimmen werden. Ebenso, welche Rolle in diesem Zusammenhang gentechnisch veränderte Lebensmittel zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung eine Rolle spielen werden.


DMK: „Außerhalb Europas sehen wir derzeit keine vergleichbaren Tendenzen“

Im Interview Oliver Bartelt, Unternehmenssprecher bei der DMK Deutsches Milchkontor GmbH.

Die Forderung nach Milch und Milchprodukten aus gentechnikfreier Fütterung wurde in den letzten Jahren vom deutschen Lebensmitteleinzelhandel verstärkt in die Lieferkette hineingetragen“

Oliver Bartelt, Deutsches Milchkontor

Elite: Welches Potenzial sehen Sie derzeit in der Nachfrage nach GVO-frei erzeugten Milchprodukten über den deutschen Markt hinaus. Also EU- oder vielleicht auch weltweit?

Oliver Bartelt, Deutsches Milchkontor: Die Forderung nach Milch und Milchprodukten aus gentechnikfreier Fütterung wurde in den letzten Jahren vom deutschen Lebensmitteleinzelhandel verstärkt in die Lieferkette hineingetragen. Viele europäische Nachbarländer wie Dänemark und Schweden setzen sich aber ebenfalls mit GVO-freien Produkten, insbesondere auch in Bereichen der öffentlichen Versorgung wie Krankenhäuser, Kindergärten etc., auseinander. Außerhalb Europas sehen wir derzeit keine vergleichbaren Tendenzen auf dem Weg zu GVO-frei gelabelten Milchprodukten.

Elite: Und wie reagiert das DMK auf diese Entwicklung?

Oliver Bartelt: Bei der Erfüllung der Nachfrage nach GVO-frei erzeugten Produkten agiert das DMK markt- und nachfrageorientiert. So wurde Anfang 2016 bereits die Milcherzeugung in bestimmten Regionen und entsprechend auch einige Molkereistandorte auf gentechnikfreie Fütterung bzw. Produktion umgestellt. Aktuell sind die Mehrzahl der DMK-Standorte nach Vorgaben des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) auditiert und zertifiziert und dürfen das Siegel „Ohne Gentechnik“ / „VLOG geprüft“ verwenden. Bereits im Jahr 2016 wurde die gesamte Frischmilch auf „ohne Gentechnik“ umgestellt. Im Jahr 2017 folgten weitere ausgewählte Produkte, sodass die Produkte der DMK Group für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel zum Großteil umgestellt sind. Damit wurde DMK im Jahr 2017 zum Marktführer für GVO-freie Milchprodukte im Segment der Handelsmarken.

Elite: In welcher Größenordnung bewegt sich das DMK hier?

Oliver Bartelt: Derzeit sind rund 2,7 Milliarden Kilogramm Milch auf GVO-freie Milchproduktion umgestellt. DMK prüft den weiteren Ausbau im Sortiment GVO-freier Milchprodukte, um selektiv weitere Vermarktungspotenziale strategisch erschließen zu können. Die Landwirte werden hier bei auf freiwilliger Basis einbezogen. Dieses Vorgehen ermöglicht es DMK zudem, eine optimale Wertschöpfung unter Berücksichtigung der höheren Aufwände bei der Milchproduktion sowie der Rohstofferfassung zu erzielen.

Elite: Ist es Ihrer Meinung nach umsetzbar und verlässlich sicherzustellen, dass genügend GVO-freie Futterkomponenten für die wachsende Zahl an GVO-frei produzierenden Milcherzeugerbetriebe (und ggf. vermehrt auch Fleischproduzenten) verfügbar sind und bleiben?

Oliver Bartelt: Verlässlich lässt sich dieses natürlich nicht sicherstellen. Wir wissen, dass es bei den Umstellungen unserer Milcherzeuger in den letzten Jahren bisher nicht zu Engpässen in der Versorgung mit Rapsschrot gekommen ist.  Grundsätzlich gibt es aber Aspekte, die zu beobachten sind und eine  Veränderung in der Verfügbarkeit bedeuten können. Beispielhaft sind zu nennen der flächendeckende Eintritt der Veredlungswirtschaft besonders im Bereich der Mast, die Entwicklung in der Förderpolitik regenerativer Energien (hier die Beimischungspflicht), die europäische Rapsernte 2019 nach den schwierigen Anbaubedingungen in 2018, die Importhöhe und Preisentwicklung bei Sojaschrot.

Elite:  Denkt man beim DMK darüber nach,  in den kommenden Jahren die Milchproduktion auf 100 % GVO-frei umzustellen?

Oliver Bartelt: Diese Entscheidung ist in unserem Haus nicht getroffen und steht derzeit auch nicht auf unserer Tagesordnung.  Wir bleiben bei der Aussage, dass die Teilnahme an dem Programm für unsere Milcherzeuger freiwillig ist und wir uns selektiv in ausgewählten Produktkategorien mit GVO-freier Produktion auseinandersetzen.

Katrin Berkemeier