Innovation

Klauengesundheit mit Apps kontrollieren

Der Tierarzt Mattias Tepferd stellt Apps in drei kurzen Videos vor, die einfach in den Alltag zu integrieren sind und helfen, die Klauengesundheit im Bestand zu verbessern.
Die wirtschaftlichen Folgen von lahmen Kühen sind fatal, trotzdem kommen...

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Der Tierarzt Mattias Tepferd stellt Apps in drei kurzen Videos vor, die einfach in den Alltag zu integrieren sind und helfen, die Klauengesundheit im Bestand zu verbessern.

Die wirtschaftlichen Folgen von lahmen Kühen sind fatal, trotzdem kommen sie in Milchkuhbetrieben regelmäßig vor. Jede zweite Kuh in Deutschland ist lahm, mit entsprechend negativen Folgen auf die Leistungsfähigkeit. Nicht selten werden lahme Kühe im Stall übersehen oder das Klauengesundheitsproblem nicht so ernst genommen. Welche Maßnahmen können eine gute Klauengesundheit fördern?

Die Lahmheits-App

Mit der kostenlosen App Zinpro Step Up, erhältlich für Apple und Android-Geräte, kann der Landwirt den Locomotion-Score (Skala 1 bis 5: 1 = keine Lahmheit, 5 = Kuh läuft auf drei Beinen) mithilfe des Handys oder Tablets direkt im Stall eintragen. So verfolgt er den Lahmheitsverlauf und erfasst die Klauengesundheit der Herde, zum Beispiel beim Austrieb aus dem Melkstand. 

Ein Vergleich zu den Zielzahlen ist mit der App genauso möglich wie das Berechnen der wirtschaftlichen Verluste durch die Lahmheiten. Dazu wird der aktuelle Milchpreis, die durchschnittliche, tägliche Milchleistung und die Herdengröße händisch eingegeben. Die Zielwerte für die Locomotion-Scores in der Herde (in %) werden, individuell auf den Betrieb abgestimmt, in die App eingepflegt. So ist am Ende der Dateneingabe eine passgenaue Auswertung möglich. Die eingegebenen Daten der Kühe werden in Vergleich zu den Lahmheitszielwerten gestellt und die Mindererlöse durch Milchverlust als Grafik eindrücklich dargestellt. 

Mortellaro: ansteckend und kostspielig

Eine wirtschaftlich wichtige Infektion ist die Mortellarosche Krankheit. Über 90 % der Milchkuhbestände sollen von Mortellaro betroffen sein, davon sind bis zu 80 % der Tiere in einer Herde infiziert. Geht man bei einer subklinischen Erkrankung von einem Minderertrag von 75-150 € pro Jahr und Tier aus (vgl. Bruijnis et al, 2010), ergeben sich in einem Kuhbestand mit 100 Tieren Kosten von 6.000 – 12.000 € nur für subklinisch (nicht sichtbar) lahme Tiere. Obendrein kommen die Kosten für klinisch erkrankte Tiere, die weitaus höher sind, wie z. B. verminderte Futteraufnahme, Milchrückgang, schlechtere Fruchtbarkeit und die erhöhte Anfälligkeit für Euterentzündungen hinzu.

Für die Diagnose und daraus abgeleitete Therapie ist die Einteilung in die verschiedenen Mortellaro-Stadien essenziell. Diese Stadien gibt es:

Der Verlauf von Mortellaro als System: Die fünf M-Stadien, Grafik: Orb

Die Mortellaro-Stadien

  • MO – gesunde Klaue: normale Haut ohne Krankheitsanzeichen. 10 – 30 % einer Herde erkranken nie, das ist genetisch bedingt. Bei schlechten Umweltbedingungen und Stress können eingeschleppte Erreger eine Infektion auslösen.
  • M1 – frühes Stadium/ subklinisch: weiß-rosa Läsionen mit einer Größe kleiner als 2 cm im Durchmesser. Sie kann sich akut, chronisch oder zurück zu M0 entwickeln. -> Muss behandelt werden!
  • M2 – akutes Geschwür: entzündet, schmerzhaft und rote Läsionen größer als 2 cm im Durchmesser. -> Muss behandelt werden! 30 – 60 % der Herde durchläuft M2 nur einmalig.
  • M3 – Heilung: ein bis zwei Tage nach der Behandlung wird die Wundoberfläche fest, braun und schorfig. Entwickelt sich zu M0, M2 oder M4.
  • M4 – chronisch: hyperkeratotisch verdickte, hautfarbende Veränderung der Haut, fadenartige oder schuppige Wucherungen, schorflos. Entwicklung zu einer M0 oder M4.1.
  • M4.1 – chronische Wiederkehr: gelblich, stark bis haarig verhornt. Auf oder in der hyperkeratotischen Verletzung entwickelt sich eine neue M1 bis M2. Muss behandelt werden!

Die Mortellaro-App

Mit der kostenlosen Zinpro DD Check APP (nur für Apple-Produkte erhältlich) lässt sich auf relativ einfache Art und Weise der eigene Bestand analysieren. In der App werden neben betriebsspezifischen Daten die untersuchende Person und das Datum der Eingabe eingetragen. Tierindividuell können für jede Klaue Diagnosen gespeichert werden (M0-M4.1). Die Klassifizierungen der Mortellaro-Stadien sind in der iPad-Version sehr gut mit Bildmaterial hinterlegt, sodass es sich einfach und schnell im Melkstand benutzen lässt. Die Klauen müssen nur leicht gereinigt werden und lassen sich dann in kürzester Zeit beurteilen. Des Weiteren kann man die Läsionen der Klaue auch in ihrer Chronizität bewerten.

Aus den Daten einer solchen Bestandskontrolle kann die App nicht nur den prozentualen Anteil der verschiedenen Mortellarostadien berechnen, sondern auch die schwerpunktmäßig erkrankten Klauen identifizieren. Die gewonnenen Daten können kostenfrei und anonym per Klick an ein Rechenzentrum in Wisconsin gesendet werden. Dieses vergleicht die Ergebnisse mehrerer Bestandsuntersuchungen und ist damit in der Lage, eine Vorhersage über das Krankheitsgeschehen im Bestand zu erstellen. Vor allem die prozentuale Veränderung in den Mortellaro-Stadien M2 und M4.1 (sog. Marker-Stadien) werden in Relation gesetzt, um das Auftreten einer neuen Mortellaro-Welle zu prognostizieren. Der Betriebsleiter ist dann in der Lage, schon vor Auftreten einer Mortellaro-Welle die vorbeugenden Maßnahmen zu intensivieren (z. B. Erhöhung der Klauenbadfrequenz).

Die App Zinpro DD Check erleichtert das Erkennen und Einordnen in die verschiedenen Mortellaro-Stadien. So kann der Anwender den Krankheitsverlauf der Kühe nachvollziehen.

Wenn die Liegeboxen nicht zu den Kühen passen, sinken die Liegezeiten und die Klauen können nicht abtrocknen. Die aktuellen Maße der Boxen im Stall können auch per App überprüft werden. 

Die Liegeboxen-Beurteilungs-App

Mit der App Stall Assessor von der Wisconsin Veterinary University können die Liegeboxen einfach beurteilt werden. Diese App ist nur für Apple-Geräte erhältlich, kostet 3 € und ist in deutscher Sprache. In dem Programm wird der Name des Betriebs, des Bewerters und das Datum eingegeben. Dann wählt man aus: die Form des Boxenbügels, das durchschnittliche Gewicht der Kühe und ob es Doppel- oder Einzelboxen, Hoch- oder Tiefboxen sind. Die optimalen Standardmaße sind hinterlegt, bei denen die Kühe am besten in der Box liegen. Nach der Dateneingabe erfolgt eine Übersicht über die Herausforderungen der Liegeboxen und über mögliche Veränderungen.

Mithilfe von Stall Assessor ist das Ausmessen der stalleigenen Liegeboxen für ein gutes Liegeverhalten der Kühe simpel. Eine Auswertung zeigt mögliche Schwachstellen auf.

Fazit: Die Klauengesundheit kann ganz modern mithilfe von Apps überwacht und auf Schwachstellen analysiert werden. Tierärzte und Landwirte werden in Zukunft wohl mit einem Tablet und passender Schutzhülle in den Kuhstall gehen und die Gesundheit und den Tierkomfort analysieren.

Dr. Marion Weerda
Tierarzt Mattias Tepferd