Reportage

Ohne Beregnung geht es nicht

Sommer, Sonne, wenig Regen: Portugal ist nicht nur ein Paradies für Touristen. In dem südeuropäischen Land werden  viele Kühe gemolken, trotz aufwendigem Futteranbaus. 
Die meisten Menschen in Nordwesteuropa kennen...

Anmelden um weiterzulesen

Hast Du noch kein Login für Elite oder Elite Impulse?

Sommer, Sonne, wenig Regen: Portugal ist nicht nur ein Paradies für Touristen. In dem südeuropäischen Land werden  viele Kühe gemolken, trotz aufwendigem Futteranbaus. 

Die meisten Menschen in Nordwesteuropa kennen Portugal nur aus den Sommerferien. Das kleine Land am Atlantik garantiert hohe Temperaturen mit viel Sonnenschein und trockenem Wetter. Auf den ersten Blick allerdings nicht die besten Voraussetzungen für die Milchkuhhaltung. Dennoch gibt es viele portugiesische Kühe, die von ungefähr 4.400 Milcherzeugern gehalten werden und zusammen über zwei Milliarden Kilogramm Milch im Jahr produzieren. 

Große Herden im Zentrum Portugals

Die Kuhherden sind regional sehr unterschiedlich verteilt. Im Süden des Landes gibt es nahezu keine Milchkuhhaltung, da das Wasser hier wirklich knapp und der Boden felsig oder zu trocken ist. Doch im kühleren Norden befinden sich viele Betriebe. Die Besitzer sind in der Regel Portugiesen mit eher kleineren Familienbetrieben. Im Zentrum des Landes befinden sich jedoch größere Herden mit mehreren hundert Kühen, die hauptsächlich von Auswanderern, wie z.B. Niederländern betrieben werden, wie Sie in unseren Reportagen lesen können. Die durchschnittliche Betriebsgröße in Portugal liegt bei rund 55 Kühen.

Graswurzeln verbrennen im Sommer

Was die Milchkuhhaltung in den meisten Teilen Portugals hauptsächlich von vielen Regionen Europas unterscheidet, ist, dass es von Mai bis Mitte Oktober kaum regnet und sehr heiß wird. Zudem weht fast immer ein starker Wind auf der Iberischen Halbinsel, der den Boden weiter austrocknet, aber gleichzeitig dafür sorgt, dass den Kühen auch im Sommer nicht unbedingt zu heiß wird.

Durch Sonneneinstrahlung und Wind kann das Gras die portugiesischen Sommer jedoch kaum überleben, denn die flachen Wurzeln werden von der scharfen Sonne verbrannt. Wer Gras anbaut, muss dieses jährlich neu ansäen, aber nur für eine Grasnutzung vom Herbst bis zum nächsten Frühjahr. Um dennoch ausreichend Futter für die Kühe zu haben, bauen viele Milchkuhhalter von Anfang Mai bis Mitte September Silomais oder Sorghum an.

Nach der Ernte säen die Landwirte sofort wieder Gras an, meistens italienisches Weidelgras, von dem sie Mitte oder Ende Oktober den ersten Schnitt ernten. Viel Sonne und Bewässerung sorgen für eine schnelle Keimung der Gräser. Das Gras kann dann um den 1. März erneut geschnitten werden und wenn die Witterungsverhältnisse passen, gibt es vor Anfang Mai noch einen dritten Schnitt.

Die Flächen müssen aus Stauseen beregnet werden

Dieser Anbau ist aber nur möglich, weil die Futterflächen beregnet werden. Die Bewässerung funktioniert gut, weil in den vergangenen Jahren in Portugal viele Stauseen gebaut bzw. vergrößert und verbessert wurden. Dabei wurde auch in eine Verrohrung und Pumpen investiert, um das Wasser aus den Stauseen auf die Futterflächen leiten zu können.

Dennoch ist Wasser auch für die Landwirte nicht kostenlos. So gibt es zumindest im Süden des schmalen Küstenstaats derzeit eine Art Quote für die Nutzung von Bewässerungswasser; im Zentrum und Norden des Landes jedoch noch nicht. Doch auch dort fallen Kosten für Wasser an, die im Durchschnitt rund 500€ pro Hektar betragen. Diese Kosten kommen zu dem Pachtpreis von durchschnittlich ca. 600€ pro Hektar in Zentralportugal noch hinzu. Diese sind, trotz der schwierigen Anbauverhältnisse vergleichsweise hoch, weil inländische und ausländische Investoren in den letzten Jahren zunehmend auf dem Landmarkt aktiv waren, um landwirtschaftliche Flächen zu kaufen, besonders Flächen für Mandel- und Olivenbäume.

Auch in Portugal gibt es eine Düngeverordnung. Diese wird jedoch recht lasch gehandhabt. Foto: Langs de melkweg

Lieferquote soll Milchpreis stabil halten

Was die portugiesische Milchkuhhaltung außerdem von denen in den meisten anderen europäischen Ländern unterscheidet, ist, dass die Molkereien hier mit Lieferquoten arbeiten. Die größte Genossenschaft Lactogal verarbeitet rund 80% der in Portugal produzierten Milch. Diese wird von den Tochtergesellschaften Proleite, Lacticoop und Argos gesammelt. Weitere Privatmolkereien sind Parmalat und die Schreiber-Gruppe. Das amerikanische Unternehmen hat dort vor einigen Jahren eine große Produktionsstätte von Danone übernommen.

Die portugiesische Milchbranche ist in den letzten Jahren wenig innovativ gewesen, exportiert kaum und ist immer noch hauptsächlich auf den Inlandsmarkt fokussiert. Deshalb lag der Milchpreis im März bei rund 32,5€ pro 100 kg Milch (im Vergleich zu anderen europäischen Ländern um zwei bis drei Cent niedriger), ist aber auch in Coronazeiten bisher nicht nennenswert gefallen. 

Die Milch wird auf der Grundlage des Fett- und Eiweißgehalts bezahlt, aber für Inhaltsstoffe über 4,00% Fett und 3,50% Eiweiß wird den Lieferanten nichts extra bezahlt. Das liegt daran, dass die meiste Milch zu frischen Produkten verarbeitet wird, bei denen sich die höheren Inhaltsstoffe nicht auszahlen.

Düngeverordnung wird lasch gehandhabt

Portugal hat, wie alle anderen EU-Länder auch, ein Düngemittelgesetz. Dieses wird ebenfalls von staatlicher Seite überprüft, aber „Papier ist geduldig“, wie jeder portugiesische Milchkuhhalter weiß. Wenn mehr Gülle anfällt, kann dies, zumindest auf dem Papier, gegen ein kleines Entgelt auf der Fläche des Nachbarn ausgebracht werden. In Portugal kümmert sich niemand darum, wo die Gülle dann tatsächlich landet.

Birte Ostermann-Palz