Reportage

„Wir versuchen, unsere Kühe zu Tode zu langweilen!“

Mark Rodgers, ein erfolgreicher Milchfarmer, der seine Zeit nach eigenen Angaben lieber im Liegestuhl oder auf der Jagd verbringt. Die Hillcrest Dairy Farm ist eine der ältesten Michfarmen in Georgia, hier wird bereits seit 85 Jahren Milch...

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Mark Rodgers, ein erfolgreicher Milchfarmer, der seine Zeit nach eigenen Angaben lieber im Liegestuhl oder auf der Jagd verbringt.

Die Hillcrest Dairy Farm ist eine der ältesten Michfarmen in Georgia, hier wird bereits seit 85 Jahren Milch erzeugt. Mark Rodgers bewirtschaftet die Farm mittlerweile in der dritten Generation gemeinsam mit seinem Bruder Andy . Beide Brüder sind auf der Farm geboren und aufgewachsen. Sie haben „den Flecken Erde“ auch noch nie verlassen. Mark ist der Kuhversteher und Herdenmanager auf der Farm; Andy der Ingenieur, der sich um das gesamte Equipment und den Futterbau kümmert.

Es war denn auch Mark’s Wille, die Kuhherde kontinuierlich aufzustocken. Aktuell werden 385 Kühe in dem äußerst betagten Melkstand gemolken. Es drängt sich mir der Eindruck auf, als seien die beiden Brüder etwas knauserig, denn den wenigen Farmgebäuden und den meisten der wenigen Maschinen, die auf dem Betriebsgelände geparkt sind, sieht man an, dass sie schon lange genutzt werden.

Völlig anders sieht es hingegen im Kuhstall aus. Zwei Bagger, die Gräben entlang des Kuhstalls ausheben und zwei Hubleiterwagen im Stall deuten größere Veränderungen an. „Wir bauen gerade um, denn wir haben uns dazu entschlossen, künftig mit Melkrobotern zu arbeiten“, klärt Mark mich auf. „Meine Tochter Caitlin und Andys Sohn Josh sollen alsbald das Kommando auf der Milchfarm übernehmen. Die jungen Leute wollen künftig nicht mehr stundenlang melken. Ich aber auch nicht,“ fügt er augenzwinkernd hinzu. „Das Leben hat schließlich mehr zu bieten als immer nur Kühe zu versorgen.“

Künftig melken 5 Roboter

Die stählernen Melker (DeLaval VMS) wurden bereits geliefert, sie stehen aber noch gut verpackt in einem Schuppen. Einer soll im Abkalbestall, die übrigen vier im 2009 errichteten Kuhstall platziert werden. Der Begriff Stall etwas hoch gegriffen, denn eigentlich handelt es sich nur um eine große offene Stahlhalle. Diese soll den Kühen in den heißen Sommermonaten vor allem Schatten spenden. Und natürlich zum Abkühlen der Kühe beitragen, weshalb über den mit Sand eingestreuten Liegeboxen (2 x 2 Reihen) auch mächtige Ventilatoren in Reihe hängen. Diese beginnen bereits bei 22°C zu arbeiten. Entlang des Futtertisches sind noch zusätzlich Beregnungsanlagen installiert, die ebenfalls ab einer Temperatur von 22°C für einen feinen Wassernebel über dem Futter sorgen. Ab einer Temperatur von 29°C laufen die Ventilatoren unter Volllast, die Wassersprenkler sprühen dann alle fünf Minuten 60 Sekunden lang. „Das ist nötig, damit die Kühe während der Hitze auch zum Futtertrog kommen “, erklärt Mark, „ohne die Beregnung würden sie nämlich in den kühlen Sandboxen liegenbleiben.“

14.000 kg trotz tropischer Schwüle

Beim Anblick der Milchfarm und dem lässigen Auftreten der beiden Milchfarmer könnte man fast vermuten, dass die Kuhherde so „einigermaßen“ gemanagt wird. Doch weit gefehlt. Die Milchleistung der Herde liegt bei 14.000 kg, auch die übrigen Produktionskennzahlen beeindrucken – trotz der enormen, feuchten Hitze und der vielen Fliegen (Stechmücken) im Sommer.

Mark führt die guten Leistungen auf drei Faktoren zurück:

  1. Maximaler Kuhkomfort: Alle Laufgänge sind mit Gummimatten ausgelegt, die Liegeboxen mit Sand befüllt, der Stall als 2×2-Reiher ausgeführt, Weidegang, Belüftung, …
  2. Beständigkeit! So erfolgt die Futtervorlage immer um die gleiche Tageszeit, Rationsänderungen werden vermieden (gefüttert wird eine raufutterreiche TMR aus Mais-, Weidelgras- und Sorghumsilage, die mit Baumwollsaat, Sojaschrot und Citruspulpe ergänzt wird). Der Futterbau erfolgt mit größter Achtsamkeit. Untypisch für die Region wird das Raufutter in Fahrsilos eingebracht, mit Siliermitteln behandelt und mit drei unterschiedlichen Folien abgedeckt. Auch im Umgang mit den Kühen wird nach festen tagesabhängigen Protokollen gearbeitet.
  3. Jede Art von Stress von den Kühen fernzuhalten! „Wir versuchen unsere Kühe zu Tode zu langweilen“, haut Mark aus. Deshalb finden sich im Stall auch keine Fangfressgitter („darauf haben wir bewusst verzichtet“). Wenn sich Mark oder Caitlin eine Kuh näher ansehen wollen, dann wird diese am Ende der Liegeboxenreihe mit einem Gitter abgetrennt. Das einfache System erlaubt es einer Person, eine Kuh in einen fest installierten Behandlungsstand zu selektieren. Grundsätzlich werden alle Kühe untersucht, die in der Milch abfallen oder durch eine geringe Aktivität auffallen.

Auf die Einhaltung dieser drei Regeln legt der großgewachsene, leicht ergraute Milchfarmer großen Wert. Nachlässigkeiten werden nicht geduldet. Deshalb befürwortet er auch die Investition in die Melkroboter. „Es wird immer schwieriger gute Mitarbeiter zu finden, die ordentlich mit den Tieren umzugehen wissen.“

Melkroboter ändern niemals ihre Routine“

Mark Rodgers

Dass dem Wohlergehen der Kühe auf der Farm große Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist auch daran abzulesen, dass den Trockenstehern und den frischabgekalbten Kühen eine separate Unterkunft mit Sandtiefstreu gewährt wird. Sie sollen sich auf die Laktation vorbereiten können bzw. von den Strapazen der Abkalbung erholen können.

Gummimatten für eine bessere Brunst

Obwohl alle Kühe mit Aktivitätssensoren ausgestattet sind, wird großer Wert auf eine mehrmalige, regelmäßige visuelle Kontrolle gelegt. Deshalb wurden die Laufgänge auch mit Gummimatten ausgelegt. Seit dem Update der Laufgänge zeigen die Kühe ein deutlich besseres Brunstverhalten. Deswegen wird jetzt auch auf Hormonprogramme verzichtet. „Die Investition von 72.000 USD für die Gummimatten hat sich gelohnt“, ist sich Mark sicher.

Gefragt nach den Herausforderungen, Knackpunkten führt der Milchfarmer die Eutergesundheit (Zellgehalt) in der Sommerperiode an. In der klimatisch gemäßigten Jahreszeit pegelt sich der Zellgehalt normalerweise bei etwa 190.000 Zellen/ml ein. Mit dem Temperaturanstieg im Frühjahr nimmt die Eutergesundheit ab, was sich im Anstieg des Zellgehaltes wiederspiegelt. Diese klettern nicht selten auf bis zu 300.000 Zellen/ml.

Weitere Infos zur Farm finden Sie hier.

Gregor Veauthier
gv@elite-magazin.de