Innovation

Joghurt aus dem Container

Wer Milch direkt verarbeitet und vermarktet kann selbstbestimmt Produkte und Preise bestimmen. Sandra Teigeler erzählt, wie sie das geschafft hat.
Viele Milcherzeuger ärgern sich, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, Milch auf verschiedenen...

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Wer Milch direkt verarbeitet und vermarktet kann selbstbestimmt Produkte und Preise bestimmen. Sandra Teigeler erzählt, wie sie das geschafft hat.

Viele Milcherzeuger ärgern sich, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, Milch auf verschiedenen Wegen zu vermarkten und damit höhere Milchpreise zu erzielen. Deshalb suchen sich einige Milchkuhhalter zunehmend eigene Vermarktungsnischen. Eine Möglichkeit dabei ist es, in eine kleine mobile Molkerei im Container zu investieren. Für dieses Konzept hat sich die Familie Teigeler aus Hagenburg bei Hannover entschieden. Sie verarbeiten wöchentlich 180 Liter Rohmilch zu Joghurts, Frischkäse, Quark und Milch-Mix-Getränken. Daneben werden 420 Liter Rohmilch wöchentlich über eine Milchtankstelle verkauft. Die produzierten Produkte und die Milchtankstellen stehen im selben Verkaufsraum der „Milchhütte“ direkt neben dem Kuhstall.


Der Weg zum eigenen Container

2014 siedelten die Eheleute mit ihrem Betrieb aus, da eine Erweiterung auf dem ehemaligen Hofgelände nicht mehr möglich war. Doch beim Neubau für 230 Kühe hörten sie aus dem anliegenden Dorf kritische Stimmen. Diese haben die Eheleute sehr ernst genommen, sind auf ihre Nachbarn zugegangen und haben sich deren Sorgen angehört. Durch die gute Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit konnten die Anwohner wieder beruhigt werden. In vielen Gesprächen merkten die Teigelers, dass die Anwohner großes Interesse an der Landwirtschaft hatten. Somit entschlossen sie sich 2015, eine Milchtankstelle zu eröffnen. Diese lief von Anfang an sehr gut und die Familie entschied sich 2016, einen Molkerei-Container anzuschaffen. Wie der Anfang des neuen Produktionszweiges im Container lief, erklärt die Landwirtin im Video.

Öffentlichkeitsarbeit aus Leidenschaft

Bevor Sandra Teigeler in den Betrieb mit einstieg, studierte sie Germanistik und Politikwissenschaft und arbeitete als Redakteurin bei Gruner und Jahr in Hamburg beim Magazin „Essen und Trinken“. Dort spezialisierte sie sich auf den Food-Bereich. Dennoch stellte sie fest, dass sie am liebsten zu Hause auf dem Betrieb arbeiten wollte.

Es gibt nichts Ehrlicheres als die Landwirtschaft!

so die Landwirtin

Mittlerweile führt die Mutter von zwei Kindern Hofführungen für Schulkassen durch und geht in die Grundschule, um den Kindern die Landwirtschaft näherzubringen.
Inzwischen steht der Molkerei-Container seit 2016 und die Arbeitsabläufe sind routiniert. Warum ausgerechnet ein Container die richtige Entscheidung für den Betrieb war, sieht man im nächsten Video.

So funktioniert´s mit dem Container

Jeder, der seine Milch auf dem eigenen Betrieb verarbeiten will, sollte sich vorab vom Verband für handwerkliche Milcherzeugung (VHM) beraten lassen. Dort kann man in Weiterbildungskursen die Milchverarbeitung erlernen bzw. verfeinern. Des Weiteren sollten sich Interessierte, schon zu Beginn der Planung, mit dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) treffen, um spätere Probleme mit der Genehmigung zu vermeiden. Außerdem sollte man bei der Planung an genug Lagerraum für die fertigen Produkte und kurze Transportwege für die Milch denken. Der Container hat den Vorteil, dass alle nötigen Einrichtungen und Hygienestandards erfüllt sind. Das vereinfacht auch das Genehmigungsverfahren. 
Worauf Neueinsteiger achten sollten, sehen Sie im nächsten Video.

Wirtschaftliche Kennzahlen

  • Gesamte Investitionssumme inkl. gebrauchten Containern: Ca. 90.000 € 
  • Der Umsatz liegt in diesem Beispiel bei 4.000 € monatlich.
  • Die größten laufenden Kostenpunkte sind die Verpackungen und die Fruchtzusätze für die Joghurts.
  • 30 Stunden pro Woche arbeitet Sandra Teigeler in der Molkerei und zusätzlich ist noch eine 450 €-Kraft beschäftigt.
  • Ein 250 g Erdbeerjoghurt kostet 1,30 €.

Fazit

Ein belastbares wirtschaftliches Standbein ist der Molkerei-Container zwar noch nicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Sandra Teigeler hat schon Anfragen von örtlichen Lebensmittelmärkten und könnte mit einer Investition in weitere Container, ohne Probleme die Produktion erweitern. Auch der jetzige Stundenlohn liegt derzeit nur wenig über dem Mindestlohn, aber dafür erfüllt sie sich einen Traum und kann das machen, was ihr Spaß macht. Ziel für nächstes Jahr ist es, einen Lehrpfad zu installieren, auf dem Besucher selbstständig den Betrieb erkunden können. Außerdem soll die „Milchhütte“ in Zukunft komplett frei von Plastik sein. 

Jonas Bünker
Dr. Marion Weerda