Reportage

Was nach dem Wachstum kommt

Phosphatquote, molkereiinterne Mengenbegrenzung, Flächenknappheit: Reines Größenwachstum ist in den Niederlanden nicht mehr möglich. Wie gehen Milchkuhbetriebe mit den steigenden Kosten um, wenn Aufgeben keine Option ist? 
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Phosphatquote, molkereiinterne Mengenbegrenzung, Flächenknappheit: Reines Größenwachstum ist in den Niederlanden nicht mehr möglich. Wie gehen Milchkuhbetriebe mit den steigenden Kosten um, wenn Aufgeben keine Option ist? 

Die Niederlande sind ein kleines Land. Rund 17 Mio. Einwohner leben dicht an dicht. Und mit 1,7 Mio. Milchkühen halten die niederländischen Milchbauern 40 % der deutschen Milchkuhpopulation – auf gerade einmal 12 % der Fläche. Das führte in den vergangenen Jahren denn auch zu verschiedenen Problemen:

Nach Abschaffung der Milchquote in 2015 begannen gerade die niederländischen Milcherzeuger, mit der Milchproduktion durchzustarten. Sie stockten ihre Kuhbestände auf und molken mehr Milch. Durch die größere Tierzahl entwickelten sich die  Phosphatmengen in der Gülle in den Niederlanden zum Problem. Um die Derogationsregelung (250 statt 170 kg N/ha) nicht zu verlieren, beschloss die niederländische Regierung die Einführung einer Phosphatquote. Milcherzeuger erhielten Produktionsrechte, allerdings basierend auf der Anzahl an Kühen und Jungvieh zum Stichtag 2. Juli 2015. Seit dem 1. Januar 2018 müssen niederländische Tierhalter ihre Bestände entweder abstocken oder Phosphatrechte zukaufen. Die Nachfrage ist hoch – derzeit kostet es etwa 9.000 Euro, nur eine Kuh mehr halten zu dürfen. 

Molkereien prüfen Mengen

Doch auch in der Molkereienlandschaft rumort es: 25 Unternehmen verarbeiten die niederländische Milch in 53 Produktionsstätten. Die größte der fünf Genossenschaften, Friesland Campina, betreibt davon allein 21 Molkereien und Käsewerke.

FrieslandCampina konnte in den vergangenen Jahren ein zufriedenstellendes Milchgeld auszahlen. Doch auch die weltweit tätige Genossenschaftsmolkerei muss aktiv werden, um die guten Ergebnisse zu halten. Neben einer neuen „Premium-Nachhaltigkeitslinie“ in den Niederlanden diskutiert das Unternehmen, eine molkereiinterne Mengenbegrenzung für seine Mitglieder festzulegen. Demnach dürften Milcherzeuger nur noch so viel Milch liefern, wie vorab anhand einer Wachstumsvereinbarung auf Basis des Marktwachstums festgelegt wurde. Wird mehr Milch produziert, als der Markt abdecken kann, will FrieslandCampina 10 Cent/kg Milch vom Milchgeld abziehen. Das ärgert vor allem junge niederländische Milchbauern, die sich in ihrem Betriebswachstum ausgebremst sehen. Eine Entscheidung der Genossenschaftsmitglieder erwartet das Unternehmen Anfang Dezember; eingeführt werden könnte das neue System dann im Januar 2019.   

Intensive Milchproduktion

Das sind neben der Flächenknappheit zwei der Gründe, warum Milch in den Niederlanden teuer produziert wird. Nach Zahlen der European Dairy Farmers (EDF; nicht repräsentativ) benötigten die niederländischen EDF-Mitglieder einen Milchpreis von 40 Cent zur Vollkostendeckung – und damit ganze 5 Cent mehr als der Durchschnitt der übrigen Teilnehmerländer. Zudem waren die Niederländer die einzige Gruppe innerhalb des EDF, bei denen diese Kennzahl (Break Even Point II) seit 2013 nicht gesunken, sondern gestiegen ist. 

Immerhin verteilen sich die hohen Kosten auf eine sehr intensive Milchproduktion. Die Milchleistung pro Kuh lag 2017 bei 8.560 kg Milch, rund 700 kg mehr als bei einer Durchschnittskuh in Deutschland. Üblicherweise ist die Antwort auf steigende Kosten eine Vergrößerung der Herde, um die Fixkosten auf mehr Milch aufzuteilen. Doch das ist aus oben genannten Gründen kaum noch möglich. Seit 2000 haben denn auch 40 % der Milcherzeuger aufgehört. 

Doch wenn es nicht über Mengenwachstum geht, wie sonst lässt sich mit Kühen weiter Geld verdienen, um steigende Kosten aufzufangen und das Familieneinkommen sicherzustellen? Wir haben sechs Milchkuhbetriebe besucht, die neue Ideen haben, wie sie „Wachstum“ generieren können:

Fazit

Einige Milchkuhhalter versuchen nun, die hohen Kosten besser in den Griff zu bekommen und besinnen sich auf eine etwas weniger intensive Milchproduktion mit höherem Weideanteil. Andere versuchen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und bisher ungenutzte Teilbereiche einer umweltfreundlichen Milchkuhhaltung zu Geld zu machen. 

Gemein ist allen Ideen und Konzepten, dass die Verbraucherwünsche für die Milcherzeuger einen hohen Stellenwert einnehmen. Und, nicht weniger wichtig: Die eigenen, guten Leistungen besser zu vermarkten als zuvor (Stichwort „Marketing in eigener Sache“)! Marketing ist kein Hexenwerk – und wird in Zukunft Milchbauern wohl stärker begleiten als in der Vergangenheit. 

Christine Stöcker

cs@elite-magazin.de